Die Holzbranche fit machen für die digitale Zukunft

Unter der Leitung der Berner Fachhochschule BFH erarbeitet die Schweizer Holzbranche mit der Initiative ‹Wald & Holz 4.0› das Know-how für zukunftsfähige Geschäftsmodelle und -prozesse. Aus einer Analyse von elf Themenkomplexen destilliert die BFH derzeit Szenarien, die im März den Partnern der Initiative vorgelegt werden.

Bild BFH

 

 

60 Unternehmen und acht Branchenverbände sind aktiv als Projektpartner beteiligt. Ziel ist die Entwicklung praxistauglicher Instrumente, mit denen die Unternehmen die Herausforderungen der Digitalisierung bewältigen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Sensibilisierung und Wissenstransfer sind weitere wichtige Pfeiler der Initiative, die vom Bund im Rahmen des Aktionsplans Holz (2017–2020) unterstützt wird.

 

‹Wir müssen Lösungen erarbeiten, die auf die spezifischen Strukturen und Bedürfnisse der schweizerischen Holzbranchen zugeschnitten sind›, sagt Co-Projektleiter Rolf Baumann von der BFH. ›Industrie 4.0 wird von international tätigen, grossen Unternehmen vorangetrieben. Mehrere hundert Millionen Euro hat alleine Deutschland in die entsprechende Forschung investiert.›

 

Auf die Schweizer KMU-Landschaft zugeschnitten

 

‹Für die vergleichsweise sehr kleinen Unternehmen der schweizerischen Wald- und Holzbranche mit ihrem biologischen Rohstoff und dessen spezifischen Eigenschaften in der Verarbeitung ist die Ausgangslage eine völlig andere›, erklärt Baumann. ‹Im internationalen Umfeld können unsere Betriebe nur mit innovativen Lösungen bestehen, welche betriebsübergreifend die ganze Wertschöpfungskette berücksichtigen – vom Konsumenten über alle Stufen bis zurück in den Wald.›

 

Die digitale Transformation stelle grosse Anforderungen in bezug auf die Vernetzung und erfordere ein Denken in übergeordneten Zusammenhängen: ‹Digitale Technologien bringen neue Herstellungsprozesse und Kooperationsformen hervor, ermöglichen neue Produkte und verändern die Beziehungen zwischen den Unternehmen und ihren Kunden. Die Geschäftsmodelle sowie die Betriebs- und Branchenstrukturen müssen diese Entwicklungen berücksichtigen.›

 

Elf Schwerpunkte herausgearbeitet

 

Nach intensiven Recherchen und Vorarbeiten durch die Berner Fachhochschule haben die Partner der Initiative elf Themen bestimmt, die nun vertieft analysiert werden. Dazu gehören etwa der unternehmensübergreifende Datenaustausch und die Frage, wie die Zusammenarbeit im Planungs- und Produktionsprozess mit digitalen Technologien effizienter gestaltet werden kann.

 

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Veränderung des Informations- und des Konsumverhaltens der Kunden und in deren Auswirkungen: Für die Konfiguration von Möbeln im Internet zum Beispiel braucht es Software-Lösungen, welche die Branche gemeinsam entwickeln könnte, um die Kosten zu senken.

 

Auch die für einen erfolgreichen Umgang mit der digitalen Transformation benötigten Kompetenzen der Unternehmen und ihrer Mitarbeitenden sind ein wichtiges Thema: Auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette Holz braucht es agile und kreative Akteure, um in einem sich rasch wandelnden Umfeld zu bestehen. Fragen der Aus- und Weiterbildung sowie der Betriebsstrukturen sind dabei entscheidend, damit die Branche auch bei der jungen Generation attraktiv bleibt und die benötigten Fachkräfte rekrutieren kann.

 

Entscheidungshilfen für Unternehmen

 

Aus einer Analyse der elf Themenkomplexe erarbeitet die Berner Fachhochschule derzeit Szenarien, die im März 2019 den Partnern von ‹Wald & Holz 4.0› vorgelegt werden sollen. ‹Anhand unserer Machbarkeitsstudien werden wir die Themen mit dem grössten Potential bestimmen und Lösungsansätze entwickeln›, erläutert Rolf Baumann.

 

In der letzten Phase sind dann konkrete Instrumente gefragt – beispielsweise Handlungsempfehlungen oder Anleitungen. Diese sollen den Unternehmen helfen, im Sinne einer wettbewerblichen Stärkung der gesamten Wald- und Holzbranche tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln, die richtigen Investitionsentscheide zu treffen und eine Betriebs- und Arbeitskultur aufzubauen.

 


Link www.wh40.ch