Die Schweiz erwärmt sich laufend weiter

Die Schweiz wird trockener, heisser, schneeärmer und kämpft künftig mit heftigeren Niederschlägen – zu diesem Ergebnis kommen die Klimaforscher von MeteoSchweiz und ETH Zürich. Mitte November präsentierten sie die im Auftrag des Bundes erstellten Klimaszenarien CH2018. Diese erlauben den bisher genausten Blick in die Klimazukunft der Schweiz.

In der Schweiz wirkt sich der Klimawandel weit stärker aus im globalen Mittel. Das hiesige Klima hat sich in den letzten 150 Jahren um knapp 2 °C erwärmt. Die Grafik zeigt für jedes Jahr von 1864 (1. Bild links oben) bis Oktober 2018 (letztes Bild rechts unten) eine Schweizer Karte, auf der die Temperaturabweichung vom Mittel der Jahre 1961–1990 zu sehen ist; die Farbskala reicht von –2,5 °C (dunkelblau) bis +2,5 °C (dunkelrot). Durch die Einfärbung lässt sich die Erwärmung auf einen Blick erkennen: ausgehend von den kalten, weiter zurückliegenden Jahren zu den nah an der Gegenwart liegenden, warmen Jahren. So wird offensichtlich, dass seit 1987, also seit rund 30 Jahren, warme Jahre besonders häufig aufgetreten sind.
Grafik Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz
Lesetip ‹Klimawandel: Das Wohlergehen der Menschheit steht auf dem Spiel› | ETH-Klimaforscher Andreas Fischlin im Interview mit dem Migros-Magazin online vom 29.11.2018

 

 

Die Forschenden berechneten das Schweizer Klima für die nächsten hundert Jahre und betrachteten dabei neben möglichen Entwicklungen ohne zusätzlichen Klimaschutz auch ein Szenario des Weltklimarats mit Schutzmassnahmen, welches den globalen Temperaturanstieg auf 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Zustand begrenzt. Es zeigt, dass Klimaschutz durchaus wirkt. ‹Mit konsequentem Klimaschutz liessen sich bis Mitte des 21. Jahrhunderts etwa die Hälfte, bis Ende Jahrhundert zwei Drittel der möglichen Klimaveränderungen in der Schweiz vermeiden›, sagt Reto Knutti, Klimaforscher der ETH Zürich.

 

Trotz allen Bemühungen lässt sich die globale Erderwärmung jedoch im besten Fall nur begrenzen, nicht aber verhindern. Die Schweiz setzt deshalb auch auf eine effiziente Politik der Anpassung. Die Klimaszenarien CH2018 sind eine zentrale Klimadienstleistung und bilden die Planungsgrundlage für die Bundesstrategie zur Anpassung an den Klimawandel.

 

Trockene Sommer und mehr Hitzetage

 

Die Klimaszenarien CH2018 zeigen vier Hauptveränderungen, die das Klima in der Schweiz Mitte Jahrhundert prägen. Zum ersten nimmt die mittlere Regenmenge im Sommer langfristig ab, während die Verdunstung mit steigender Temperatur zunimmt. Entsprechend werden die Böden trockener. Die bodennahe Lufttemperatur steigt im Durchschnitt der Sommermonate Juni bis August um 2,5–4,5 °C im Vergleich zu heute. Gleichzeitig fällt bis zu einem Viertel weniger Regen. Die längste Trockenperiode ohne Niederschlag kann so im Sommer knapp drei Wochen dauern.

 

Die Höchsttemperaturen steigen zum zweiten erheblich stärker als die Durchschnittstemperaturen. An den heissesten Tagen im Sommer wird es 2–5,5 °C wärmer als heute. Hitzesommer wie in den Rekordjahren 2003 und 2018 können so zur Norm werden. Hitzewellen werden häufiger und extremer. Dabei ist die Hitzebelastung in tief gelegenen städtischen Gebieten am grössten.

 

Heftige Niederschläge und schneearme Winter

 

Drittens werden einzelne Starkniederschläge in Zukunft häufiger und intensiver ausfallen als heute. Der stärkste Niederschlagstag des Jahres wird durchschnittlich etwa 10% mehr Regen bringen. Die Winter werden deutlich wärmer als heute; möglich ist ein Temperaturanstieg von 2–3,5 °C. Es fällt mehr Niederschlag – nicht in Form von Schnee, sondern aufgrund der höheren Temperaturen eher in Form von Regen.

 

Viertens schliesslich wird Schnee wird seltener und weniger. Die erwartete Schneebedeckung in tiefen Lagen ist nur noch etwa halb so gross wie heute. Die winterliche Nullgradgrenze klettert von heute 850 auf bis 1500 m ü. M. Entsprechend stark schrumpfen die schneereichen Gebiete der Schweiz. Auch die Aufrüstung mit Schneekanonen und das Hochfahren von Snowfarming werden daran nichts ändern.

 


Link www.klimaszenarien.ch