Gebirgswald effizient und ökologisch bewirtschaften

Die Holznutzung steht im Gebirgswald aufgrund von Gelände und Erschliessung vor besonderen Herausforderungen. Am Statusseminar von Swiss Wood Innovation Network S-WIN an der WSL in Birmensdorf legten am 26. Juni Wissenschaftler und Praktiker aus Österreich, Bayern und der Schweiz Erkenntnisse aus der Forschung wie auch Erfahrungen aus der Praxis dar.

Die in eigener Regie durchgeführte leistungsfähige Holzernte mittels Kombiseilgerät trägt wesentlich dazu bei, die Eigenwirtschaftlichkeit der Oberallmeindkorporation Schwyz zu erhöhen.
Bild Oberallmeindkorporation Schwyz

 

 

Die waldbaulichen Herausforderungen im Gebirge skizzierte Peter Brang (Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Birmensdorf). Die Ansprüche an den Wirtschaftswald und an den Schutzwald unterscheiden sich klar. Naturgemäss ist die Holznutzung im Schutzwald eingeschränkt. Es bestehen Probleme bei der Verjüngung aufgrund dichter Altbestände, Vegetationskonkurrenz, Verbiss durch Wildhuftiere und Schneegleiten.

 

Brang skizzierte auch die Veränderungen der Höhenstufen der Waldvegetation aufgrund der Klimaveränderung, so etwa die Zunahme der Laubbäume im Gebirge. Brang vermutet zudem, dass aufgrund des Klimawandels eine zunehmende Mortalität insbesondere für Nadelbäume zu erwarten ist.

 

Hilfreiche Forsttechnik

 

Die Forsttechnik leiste einen wesentlichen Beitrag für eine effiziente Waldbewirtschaftung im Gebirge, hielt Karl Stampfer (Universität für Bodenkultur BOKU Wien) fest. Die Mechanisierung am Steilhang sei dazu eine wesentliche Bedingung, denn nur so liessen sich die Kosten für die Holzernte und auch die Zahl der Arbeitsunfälle möglichst tief halten.

 

Allerdings sei ein Mangel an qualifiziertem Personal für die Arbeit mit den Erntemaschinen in Steilhängen feststellbar. Harvester und Forwarder liessen sich dafür als effiziente Hilfsmittel auch bodenschonend einsetzen, gab sich Stampfer überzeugt.

 

Antrieb zur Eigenwirtschaftlichkeit 

 

Was industrielles Denken und Handeln in einem Staatsforstbetrieb bedeuten, erläuterte Madeleine Egger (Staatsforstbetrieb SFB Kanton Bern, Münsingen). Es handelt sich beim SFB um den grössten Forstbetrieb der Schweiz mit einer Nutzung von rund 80000 m3 jährlich. Der Betrieb 2005 wurde mit dem Ziel verbesserter Wirtschaftlichkeit gegründet. Für die Arbeiten werden klar strukturierte Prozesse eingesetzt, um die Resultate möglichst effizient zu erreichen.

 

Der Verkauf von Produkten und Leistungen anstelle von Abgeltungen kann die Eigenwirtschaftlichkeit im Gebirgswald fördern. Felix Lüscher von der Oberallmeindkorporation Schwyz informierte zu diesem Thema. Ab 2001 konnte die Eigenwirtschaftlichkeit signifikant auf gegen 75% gesteigert werden. Dazu haben massgeblich die in eigener Regie durchgeführte leistungsfähige Holzernte mittels Kombiseilgerät und der Verkauf von Zertifikaten für die CO2-Speicherleistung des OAK-Waldes beigetragen.

 

Blick über die Grenze

 

Zur wirtschaftlichen Situation der Bayerischen Saalforste (18500 ha) im Salzburger Land referierte Thomas Zanker (Bayerische Staatsforste, St. Martin). 65% in diesen Forsten sind Fichtenholz. Ein erklärtes Ziel seiner multifunktionalen Waldbewirtschaftung ist es, diesen Anteil wegen des Klimawandels und anderer Gründe auf 56% zu verringern.

 

Drei Viertel der Erträge stammen aus Holzverkauf, der Rest aus Jagd und Fischerei, Vermietung und Verpachtung sowie besonderen Gemeinwohlleistungen. Die Jagd sei wegen der Rehwildreduktion für den Nachwuchs der Tanne von entscheidender Bedeutung, betonte Zanker.

 

Die Bayerischen Staatsforsten bieten Rundholzpakete fertig zum Versand an. Martin Müller (Regensburg) informierte zu dieser erfolgreichen Aktivität, die seit 2005 besteht. Nebst den regionalen Absatzmärkten werden auch überregionale Verkäufe getätigt. Der geschätzte Jahresbedarf und die Erntemenge sind jeweils Gegenstand einer Jahresplanung.

 

Neue Prozesse in der Forstwirtschaft

 

Lignum-Direktor Christoph Starck informierte über die Ergebnisse des 2017 abgeschlossenen Nationalen Forschungsprogramms NFP 66 ‹Ressource Holz› und plädierte für eine selbstkritische Betrachtung der multifunktionalen, dabei subventionierten und defizitären Waldwirtschaft, auch bezüglich Entscheidmechanismen und Politikprogrammen im Vergleich zu unseren Nachbarländern.

 

Am Beispiel des Kantons Bern zeigte Roger Schmidt (Amt für Wald des Kantons Bern KAWA), wie sich ein Change-Prozess in einer Forstverwaltung abspielen kann. Ziel ist es, den Berner Wald zu erhalten – gesund, vielfältig und anpassungsfähig. Dies basiert auf gemeinsam mit den Waldbesitzern, den Holzvermarktungsorganisationen und Forstunternehmen entwickelten Modellen für eine zukunftsfähige und nachhaltige Waldbewirtschaftung.

 


Link www.s-win.ch