Energie – bald weltweit zum Nulltarif?

Das Gottlieb-Duttweiler-Institut tritt mit einer Studie auf den Plan, die einen radikalen Wandel des Energiesystems voraussagt: Die industrielle Welt des Öls werde allmählich abgelöst von der digitalen Welt der Elektrizität. Die These: Energie, heute notorisch knapp, könnte damit bald zu einem Gut werden, das nichts mehr kostet, weil es im Überfluss bereitsteht.

Die im Auftrag des Bundesamts für Energie erstellte und Mitte Mai veröffentlichte GDI-Studie ‹Die neue Energiewelt – Vom Mangel zum Überfluss› analysiert den Übergang in die Energiezukunft. Zwar seien heute noch nicht alle Details voraussehbar, doch eins halten die Autoren für klar: Energieknappheit werde dereinst kein Thema mehr sein. Da die Energie der Zukunft zu 100% aus nichtfossilen Quellen stammen werde, sei sogar von einem Überschuss auszugehen.

 

Als treibende Kräfte auf dem Weg in die Energiezukunft sehen die Autoren nicht nur den technologischen Fortschritt, sondern auch soziale Veränderungen von globalem Ausmass. Sie postulieren, dass mit dem umfassenden Wandel des Energiesystems auf der ganzen Welt eine grundlegende Umwälzung der Gesellschaft einhergehen werde. Am Ende dieser Transformation stünden radikal veränderte soziale, politische, ökonomische und kulturelle Parameter.

 

Fortschritt aus vielfachen Verwerfungen

 

Der Übergang werde nicht auf einen Schlag geschehen – aber auch nicht gleitend, stufenlos und unmerklich, sondern in Schritten, Sprüngen und Brüchen ablaufen, die für alle Beteiligten spürbar seien. So könnten etwa die Verschiebung der gesellschaftlichen Nachfrage nach einzelnen Energieträgern oder internationale ökonomische Schocks die Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft grundlegend verändern. Solche Kontinuitätsbrüche führten zu sprunghaften Entwicklungen.

 

Derartige ‹Shifts› würden die Art und Weise, wie wir Energie produzieren und konsumieren, verändern. Die GDI-Studie stellt 30 mögliche Shifts in einer Trendlandschaft dar und analysiert sie daraufhin, wie sie das Energiesystem prägen könnten. So wäre beispielsweise die Konsequenz aus einer digitalisierten Infrastruktur ein durch künstliche Intelligenz autonom gesteuertes Energieunternehmen.

 

Bricht das Zeitalter der Solarenergie an?

 

Wie genau das vorausgesagte Energieüberflusssystem aussehen wird, bleibt offen. Klar, so die Autoren, sei lediglich, dass es dekarbonisiert, elektrifiziert und digital sei, hauptsächlich angetrieben durch erneuerbare Energien. Im Zentrum steht dabei aus Sicht der Studienautoren die Sonne. Deren Energie, auf welche am Ende ja auch die heute noch dominanten fossilen Energieträger zurückgehen, sei in faktisch unbegrenzter Menge vorhanden – sie strahle in zwei Stunden mehr Energie auf die Erde, als die gesamte Menschheit in einem ganzen Jahr verbrauche, rechnen sie vor.

 

Auch in der Schweiz mit ihrer vergleichsweise geringen Sonneneinstrahlung und hohem Energieverbrauch gelange von der Sonne 200-mal mehr Energie ins Land, als benötigt werde. ‹Die Technologien, die aus erneuerbaren Quellen Strom, Kraft und Wärme erzeugen sowie die erzeugte Energie speichern, entwickeln sich derzeit in einem Tempo, das irgendwann in diesem Jahrhundert ein Leben im Energieüberfluss bei praktisch komplettem Verzicht auf fossile Energieträger möglich machen wird›, zeigen sich die Autoren überzeugt.

 


Link www.gdi.ch/energie