Im Gespräch mit dem Schöpfer der #WOODVETIA-Holzfiguren

Wer ist der Künstler, der hinter den #WOODVETIA-Statuen steht? Lernen Sie im Interview Inigo Gheyselinck kennen und erfahren Sie mehr über seine Beziehung zum vielfältigen und eigenwilligen Material Holz.

Inigo Gheyselinck in seinem Atelier.
Bild Bruno Augsburger, Zürich, für #WOODVETIA

 


‹Im Grunde genommen dokumentiere ich ja Biografien›
Inigo Gheyselinck


 

 

Was motiviert dich, diese Kampagne mit deinen Figuren zu begleiten?
Dass ich als Künstler das Trägermedium der Kampagnenbotschaften aus dem Material schaffen kann, das beworben wird, ist schon sehr aussergewöhnlich und deshalb auch reizvoll.

 

Was glaubst du? Was werden die Figuren in der Bevölkerung auslösen?
Ich hoffe vor allem Neugier. Meine Erfahrung ist, dass Skulpturen mit Menschen immer etwas machen. Ich bin überzeugt davon, dass die Bevölkerung den Figuren aus den verschiedensten Schweizer Hölzern sehr positiv begegnen wird. Und das ist ja auch das Ziel der Kampagne: Die Menschen in unserem Land sollen einen emotionalen Bezug zu diesem wichtigen nachhaltigen Rohstoff entwickeln. Und sie sollen aufgrund dieser Erfahrung beim nächsten Holzkauf Schweizer Produkte bevorzugen.

 

Wie viele Erfahrungen hast du vor diesem Auftrag mit Holzskulpturen bereits gemacht?
Holz ist für den Bildhauer natürlich eines der wichtigsten Arbeitsmaterialien. Ich arbeite aber auch viel mit Ton oder Stein. Wir lernen ja, mit den verschiedensten Materialien umzugehen. Doch Holz ist besonders gut bearbeitbar.

 

Wie ist dein persönlicher Bezug zu Holz?
Ich habe natürlich einen sehr engen Bezug zu Holz. Es fasziniert mich, dass dieses Material ein lebendiger Stoff ist, der sehr viele Eigenschaften besitzt. Holz erlaubt keine Fehler, das heisst, ich muss mich ihm als Künstler anpassen. Das Holz dankt es mir dann mit seiner Dauerhaftigkeit und seiner Stabilität.

 

Ist wirklich jede Figur aus Schweizer Holz?
Ja, jede Figur ist aus Holz gefertigt, das aus der Herkunftsregion der dargestellten Persönlichkeit stammt.

 

Wieso haben einige Figuren Risse und andere kaum?
Wichtig zu wissen ist, dass die Risse keineswegs ein Makel des Materials sind, sondern eine Eigenschaft. Andere Merkmale sind Stabilität und Dauerhaftigkeit. Ob ein Holz Risse bildet, kommt einerseits auf die Holzart und andererseits auf den jeweiligen Trocknungsgrad an. Für diese Kampagne arbeite ich oft mit Holz, das vom Trocknungsgrad in etwa demjenigen entspricht, den ein Holzbauer auf dem Bau verwendet. Normalerweise arbeiten Künstler mit ganz trockenem Holz. In der Kampagne wollten wir aber das Zusammenspiel der Wald- und Holzbranche darstellen, um aufzuzeigen, wie eng die Nachfrage nach Schweizer Holz mit dem Zustand und der Leistungskraft unserer Wälder zusammenhängt. Und um das tun zu können, haben wir immer wieder auch Bäume gefällt, um aus deren Holz die Figuren herzustellen.

 

Wieso spielt das Alter des Holzes der Figuren eine so wichtige Rolle?
Es ist einfach eine faszinierende Eigenheit des Rohstoffs und des Arbeitsmaterials Holz, dass es je nach Baum zum Zeitpunkt des Fällens bereits eine lange Geschichte hat. Wenn ich an einer Figur arbeite und die einzelnen Ringe des Holzes sehe, weiss ich, dass diese Ringe zeitliche Parallelen ausdrücken. Nämlich zu den Persönlichkeiten, die ich darstelle. Die Person und das Holz, aus welchem ich sie nachbilde, haben zur gleichen Zeit auf unserer Erde gelebt, und sie vereinigen sich nun zu dieser ganz spezifischen Form. Das hat etwas sehr Berührendes und ringt einem, ehrlich gesagt, auch eine gewisse Ehrfurcht ab.

 

Was hast du während dieses Projekts über Holz gelernt? Begegnest du dem Wald und dem Rohstoff Holz heute anders als früher?
Holz spielte schon in meiner Familie immer eine wichtige Rolle. Mein Vater war Schreiner, mein Bruder ist Architekt. Aber durch die intensive Auseinandersetzung mit Holz ist es mir nun noch näher als früher. Es sind immer wieder auch ganz intime Momente, wenn ich etwa einer Persönlichkeit, die vielleicht nicht mehr lebt, eine neue Form und damit eine neue Identität gebe – notabene aus einem Material, das ebenfalls eine eigene Identität besitzt. Dadurch erhalte ich beide Identitäten. Aber zurück zur Frage. Begegne ich dem Wald und dem Rohstoff Holz heute anders als früher? Definitiv!

 

Was war oder ist die grösste Schwierigkeit bei der Realisierung der Figuren?
Das ist die Schwierigkeit im Umgang mit derjenigen Eigenschaft des Holzes, die ich gleichzeitig auch am meisten schätze, nämlich seine Eigenwilligkeit. Zum Glück arbeite ich mit sehr erfahrenen Holzkennern zusammen. All die Charaktereigenschaften des Materials wirklich zu kennen, das gelingt nur Profis.

 

Was hat dich am meisten überrascht?
Die Reaktionen der Leute bisher. #WOODVETIA stellt Figuren aus einem ganz spezifischen Material in den öffentlichen Raum. That’s it. Im Zentrum der Kampagne steht ja eigentlich nicht die Figur, sondern deren Substanz, nämlich das Holz. Die Reaktionen, die ich darauf erhalte, sind überwältigend.

 

Wie war die Zusammenarbeit mit all den Branchenvertretern?
Ausgezeichnet. Das sind ausnahmslos tolle Menschen. Um so wichtiger, dass wir ihre wirtschaftlichen Anliegen ernst nehmen und Holz aus der Schweiz den Vorzug geben, wenn wir das nächste Mal mit einem Kaufentscheid diesbezüglich konfrontiert sind.

 

Gibt es Figuren, die du besonders gern gemacht hast?
Ich mag alle Figuren. Im Grunde genommen dokumentiere ich ja Biografien. Alle sind auf ihre Weise spannend.

 


Link www.inigo.ch

 

 

Quelle: www.woodvetia.ch  | Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Aktionsplans Holz des BAFU