Comeback der Wohnhochhäuser in der Schweiz

Auf die immer drängendere Forderung nach baulicher Verdichtung sind Hochhäuser eine mögliche Antwort. Wohnhochhäuser erleben daher seit 2010 eine Renaissance, wie die Credit Suisse in ihrem neusten Blick auf den hiesigen Immobilienmarkt feststellt. Welche Chancen hat dieser Bautyp in der Schweiz? Die CS-Studie geht dieser Frage vertieft nach.

Grün und bis in luftige Höhe wohnen in Lausanne
2014 haben die begrünten Hochhäuser des Mailänder ‹Bosco Verticale› als wegweisender Ansatz für die Stadt von morgen den Internationalen Hochhauspreis erhalten. Nun lassen die Mailänder Architekten auch ein analoges Projekt in der Schweiz entstehen: ‹Les Terrasses des Cèdres› nennt sich der 117 Meter hohe Wald-Wohnturm in Chavannes-près-Renens mit mehr als 200 Wohnungen, dessen Bau im letzten Sommer gestartet ist (Bauherrschaft: Bernard Nicod SA, Lausanne; Orllati Real Estate SA, Bioley-Orjulaz). Das Hochhaus wird seinen Bewohnern Grünraum buchstäblich vor der Haustür bieten: in Form von 80 veritablen Bäumen sowie Büschen auf 3000 m2, die in den Bau integriert werden.
Visualisierung Stefano Boeri Architetti, Mailand
 

 

Die Credit Suisse hat letzte Woche ihre Studie zum Schweizer Immobilienmarkt 2018 veröffentlicht (Lignum Journal online vom 1.3.2018). Im Rahmen dieser Publikation macht die CS einen interessanten Exkurs zum Thema Wohnhochhaus.

 

Dieses ist vor einigen Jahren unter dem Trend zur Reurbanisierung wiederentdeckt worden, nachdem es seit Ende der siebziger Jahre sehr still darum geblieben ist. Zahlreiche Projekte an gut erschlossenen Lagen stechen in den urbanen Räumen mittlerweile ins Auge.

 

Die Credit Suisse untersucht die Gründe für die Renaissance des Wohnhochhauses und zeigt auf der Basis von Erkenntnissen aus jüngst realisierten Bauten, welche Faktoren aus Sicht des Investors zu einem erfolgreichen Projekt beitragen.

 

Höhere Kosten durch Preisstaffelung kompensieren

 

Mit zunehmender Gebäudehöhe steigen die Kosten der Wohnflächenproduktion überdurchschnittlich. Die Realisierung von Hochhäusern ist daher mit Mehrkosten von 10–25% verbunden. Die Gründe dafür sind technischer und regulatorischer Natur (z.B. besondere Brandschutzvorschriften).

 

Das Hochhaus muss die Kostennachteile durch höhere Quadratmeterpreise wettmachen. Die Staffelung der Preise ist das zentrale Element, mit dem der Investor die Mehrkosten eines Wohnhochhauses kompensieren kann. 

 

Den Aufpreis für die besondere Sicht und die bessere Besonnung in höheren Stockwerken ist der Bewohner aber nur zu bezahlen bereit, wenn das Hochhaus auch an vorteilhafter Lage steht. Das erfordert eine gute Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr sowie eine hohe Dichte an Infrastrukturangeboten.

 

Wer die neuen Hochhaus-Bewohner in der Schweiz sind

 

Neben der Preisgestaltung ist die Zielgruppe das wichtigste Element bei dessen Vermarktung. Als Kerninteressent für das Wohnen im Hochhaus zeichnet sich gemäss CS-Studie das Bild eines alleinstehenden – aber nicht zwangsweise allein lebenden – jungen, berufstätigen Erwachsenen ab.

 

Der Anteil Kinder liegt in fast allen Hochhäusern, welche die Credit Suisse unter die Lupe genommen hat, unter dem Vergleichswert der Gemeinde, besonders ausgeprägt in den urbanen Lagen. Dort ist auch der Anteil an Singles deutlich höher als im Gemeindedurchschnitt. Männer sind insbesondere in den urbanen Gebieten teils deutlich in der Überzahl.

 

Doch nicht nur junge Erwachsene, sondern auch andere Bevölkerungsgruppen kämen in Frage, so die CS-Ökonomen: Zahlungskräftige Rentner schätzen beispielsweise ebenfalls zentrale Lagen, und sie wären in Kombination mit betreutem Wohnen auch im höheren Alter eine attraktive Zielgruppe.

 


Link Credit Suisse: Schweizer Immobilienmarkt 2018 (PDF, 4.47 MB)