Zwanzig Holzstatuen eröffnen die Frühjahrssession in Bern

Zum Sessionsstart wurden die Bundesparlamentarierinnen und -parlamentarier gestern Montag im Bundeshaus unter anderem von Johanna Spyri, Alfred Escher und General Dufour empfangen – natürlich nicht in Fleisch und Blut, aber in Form lebensechter Kunstwerke aus Schweizer Holz: Die 20 Statuen der Aktion #WOODVETIA sind bis zum 28. April im Bundeshaus ausgestellt.

#WOODVETIA im Bundeshaus
Oben: Nationalrat und WaldSchweiz-Präsident Daniel Fässler (links), Nationalrätin und Lignum-Präsidentin Sylvia Flückiger (Mitte) sowie BAFU-Vizedirektor Paul Steffen (rechts) eröffneten gestern zum Sessionsauftakt die Ausstellung der #WOODVETIA-Figuren im Bundeshaus. Die 20 Kunstwerke sind im ganzen Haus verteilt. In der Kuppelhalle, wo die Vernissage stattfand, empfangen Gilberte de Courgenay, Marie Tussaud und Johanna Spyri die Mitglieder der eidgenössischen Räte unter der mächtigen Skulptur der drei Eidgenossen. Bildblock unten: Iris von Roten mischt sich in der Wandelhalle ins Gespräch (links oben). Dimitri zeigt sich in der ‹Galerie des Alpes› gastlich (oben rechts). General Dufour hält sich am Besuchereingang bereit (Mitte links). Segantini erwartet den Bundesrat (Mitte rechts). ‹Dutti› begrüsst die Parlamentarierinnen und Parlamentarier am Haupteingang (unten links). Alfred Escher hält die Stellung vor dem Büro des Nationalratspräsidenten (unten rechts).
Bilder Bruno Augsburger, Zürich, für #WOODVETIA

 

 

Im Bundeshaus wird die Geschichte der Schweiz geschrieben. Wer gestern das Parlamentsgebäude betrat, traf auf 20 lebensechte und lebensgrosse Holz-Statuen von bekannten Persönlichkeiten, die die Historie unseres Landes auf ganz eigene Weise mitgeprägt haben.

 

So posiert eine Statue des berühmten Alpenmalers Giovanni Segantini vor dem Berninagemälde im Bundesratszimmer oder das Ebenbild Alfred Eschers vor seinem ehemaligen Bureau als Nationalratspräsident, oder es gesellen sich die drei Schweizerinnen Gilberte de Courgenay, Johanna Spyri und Marie Tussaud zur Statue der drei Eidgenossen unter der Bundeshauskuppel.

 

Grosse Gestalten aus Geschichte und Gegenwart

 

Die aus Schweizer Holz geschaffenen Skulpturen sind Botschafterinnen und Botschafter der Kampagne #WOODVETIA – Aktion für mehr Schweizer Holz, die 2017 vom Bundesamt für Umwelt und der Schweizer Wald- und Holzbranche lanciert wurde. Grund für die Kampagne ist die sinkende Nachfrage nach Schweizer Holz. Diese wirkt sich negativ auf unseren Wald und die hiesige Holzwirtschaft aus.

 

Jede Holzfigur wurde vom Zürcher Künstler Inigo Gheyselinck aus einer anderen Holzart geschnitzt. Zum Reigen der Figuren zählen der Bahnpionier Alfred Escher, der Forscher Auguste Piccard, die Menschenrechtsanwältin Carla Del Ponte, die ‹Gilberte› von Courgenay, der Maler Giovanni Segantini, Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler, General Guillaume Dufour und Rotkreuz-Gründer Henry Dunant ebenso wie die Frauenrechtlerin Iris von Roten.

 

Weitere Mitglieder der erlauchten Runde sind die weltbekannte Kinderbuchautorin Johanna Spyri, die Astrophysikerin Kathrin Altwegg, die Architekturgrössen Lux Guyer und Rudolf Olgiati, die Wachsbildnerin Marie Tussaud, Rocksänger Polo Hofer, Skispringer-Legende Simon Ammann, die vielfache OL-Weltmeisterin Simone Niggli, der Musiker Stress, der grosse Clown Dimitri und auch die Thurgauerin Hildegard Kissling, welche im vergangenen Herbst als Repräsentantin der Schweizer Bevölkerung vom Publikum gewählt worden ist.

 

Nationalrätin und Lignum-Präsidentin Sylvia Flückiger, Nationalrat Daniel Fässler (Präsident WaldSchweiz) und Paul Steffen (Vizedirektor BAFU) eröffneten gestern die Ausstellung im Bundeshaus in Anwesenheit von rund 40 Parlamentariern und Gästen und wiesen auf die Bedeutung einer intakten Holzkette hin.

 

‹Menschen, die bewegen – und die Welt verändern›

 

‹Die zwanzig Kunstwerke stellen Menschen dar, die zum Teil auch hier, im Bundeshaus, ein und aus gegangen sind – aber nicht nur. Es sind Menschen, welche andere Menschen bewegt haben oder es immer noch tun, die uns mit ihren Leistungen begeistern, die dazu beigetragen haben oder beitragen, unser Land, ja vielleicht im einen oder anderen Fall sogar die Welt zu verändern›, erklärte Nationalrätin Sylvia Flückiger in ihrer Begrüssungsansprache.

 

‹Die Figuren, so verschieden sie sind, haben eines gemeinsam: Das Holz, aus dem sie gemacht sind, ist in unseren hiesigen Wäldern gewachsen. Und so stehen alle diese grossen Gestalten mit ihrem Ebenbild für ein gemeinsames Anliegen ein: Macht etwas aus dem Holz, das in unseren Wäldern heranwächst!› sagte Flückiger und brachte damit die Kernbotschaft der Aktion #WOODVETIA auf den Punkt.

 

Flückiger schloss mit einem Appell an die Mitglieder des Parlaments: ‹Setzen wir uns tatkräftig dafür ein, dem wertvollen Rohstoff Schweizer Holz, der in unseren Wäldern in Fülle heranwächst, Türen zu öffnen, wo immer wir können!›

 

‹Unser Holz dürfen wir brauchen!›

 

Nationalrat Daniel Fässler ergriff in seiner Eigenschaft als Präsident von WaldSchweiz das Wort. ‹Was mich an der illustren Schar von Schweizer Holz-Statuen besonders berührt, ist die Tatsache, dass jede Figur aus einer anderen Baumart geschnitzt wurde›, meinte Fässler. Vor allem aber vermittle sie zwei wichtige Botschaften: ‹Erstens: Wir dürfen ohne schlechtes Gewissen Schweizer Holz konsumieren, denn es gibt mehr als genug davon! Zweitens: Holz zu ernten ist gut, denn es bedeutet, den Wald zu verjüngen und ihn gesund und fit zu erhalten!›

 

In der Schweiz werde von Gesetzes wegen nie mehr Holz geschlagen als nachwachse, betonte Fässler. In Tat und Wahrheit sei es sogar viel weniger: Rund drei  Millionen Kubikmeter mehr könnten jedes Jahr zusätzlich geerntet werden, ohne dass unsere Wälder Schaden nähmen. Auch Fässler richtete sich in seiner Ansprache direkt an seine Ratskollegen: ‹Auch wir Politikerinnen und Politiker stehen in der Pflicht, gute Rahmenbedingungen für die Waldwirtschaft zu schaffen. Stimmen Sie für den Wald, wenn im Parlament entsprechende Weichenstellungen vorgenommen werden.›

 

Langfristiges Denken als Erfolgsrezept

 

Paul Steffen, Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt, eröffnete in seiner Ansprache eine weitere Dimension: die historische. ‹Für mich sind die Statuen mehr als nur Botschafter fürs Schweizer Holz›, sagte Steffen. ‹Sie sind Repräsentanten einer langen Geschichte. Die Bäume, aus denen sie geschnitzt wurden, sprossen vor vielen Jahrzehnten, zum Teil sogar Jahrhunderten aus Schweizer Waldböden, bis sie geerntet wurden.›

 

Damit, so Steffen, illustriere die Runde der #WOODVETIA-Figuren den Grundsatz der Nachhaltigkeit, dessen Entwicklung auf dreihundertjährige Einsichten im Forstwesen zurückgehe. Das nachhaltige, langfristige Denken und Arbeiten für die Zukunft präge auch die Aktion für mehr Schweizer Holz.

 

 

Die Parlamentsdienste bieten in der sessionsfreien Zeit kostenlose Führungen durchs Parlamentsgebäude an. Sie gehen auch auf die ausgestellten Kunstwerke ein. Die Bevölkerung kann die Ausstellung der Statuen im Bundeshaus ausserdem am 16.3.18, der Berner Museumsnacht, oder am 28.4.18, dem Tag der offenen Tür des Bundeshauses, frei in Augenschein nehmen.

 


Links www.woodvetia.ch | Video: Aufstellung der #WOODVETIA-Figuren im Bundeshaus am 19.2.2018