Die Esskastanie – der Baum des kommenden Jahres

Die deutsche Silvius-Wodarz-Stiftung hat die Esskastanie als Baum des Jahres 2018 ausgerufen. In der Südschweiz ist jeder fünfte Baum eine Edelkastanie. In der Deutschschweiz macht sich der Baum eher rar, findet aber Nischen im milden Klima, etwa an Seeufern.

Esskastanie
Bild Andreas Roloff | baum-des-jahres.de

 

 

Mit der Edelkastanie (Castanea sativa) hat das ‹Kuratorium Baum des Jahres› eine eher seltenere Waldbaumart gewählt. Ines v. Keller, Bundesgeschäftsführerin des Bundes deutscher Forstleute und stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums, sieht jedoch Potential in der Baumart: ‹Die Esskastanie ist nicht nur kulinarisch eine Wucht. Auch ihr Holz ist vielseitig einsetzbar und besonders robust.›

 

Kastanienholz kommt für den Bau und für Möbel zur Verwendung. Es trotzt der Witterung und eignet sich deshalb gut für Aussenkonstruktionen, für Masten, Zäune und Verbauungen. In Deutschland hat die Edelkastanie im klimatisch wärmeren Süden höhere Anteile im Wald – dort, wo ihr Holz früher schon im Weinanbau verwendet wurde. Heute wird sie bereits flächendeckender eingebracht, weil sie eine gute Ergänzung der Baumartenvielfalt in Zeiten des Klimawandels verspricht.

 

Typischer Tessiner Baum

 

In der Schweiz sind die Esskastanien nördlich des Gotthards seltene Gäste. Der Baum mag es warm und gedeiht fast ausschliesslich auf der Alpensüdseite. Auf der Alpennordseite brauchen die Marronibäume ein mildes See- oder Föhnklima. Verhältnisse, die ihnen behagen, finden sie im Unterwallis und am Genfersee, am Walensee sowie am Zuger- und Vierwaldstättersee vor.

 

Hier gab es früher wie in der Südschweiz Selven – Haine mit weit auseinanderstehenden Fruchtbäumen auf Weideland. Die Haine wurden aber nach dem Zweiten Weltkrieg immer weniger gepflegt und laufend kleiner, denn die Esskastanie war nach dem Krieg als Lebensmittel nicht mehr gross gefragt. Erst seit der Jahrtausendwende finden die Selven wieder Interesse als alte Kulturlandschaft. Anlässe wie die herbstliche ‹Chestene-Chilbi› in Greppen am Vierwaldstättersee erinnern an die einstige Bedeutung des Tessiner ‹Brotbaums› auch diesseits der Alpen.

 


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