Wald und Holz 4.0 – was heisst das?

Von einem Paradigmenwechsel war die Rede an der zweiten Fachveranstaltung ‹Wald und Holz 4.0›, die Ende November letzten Jahres an der Berner Fachhochschule BFH stattfand. Fachleute aus der Wald- und Holzwirtschaft zeigten die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Holzbranche auf.

Ingo Mayer vom BFH-Zentrum Holz – Ressource und Werkstoff begrüsste die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Fachveranstaltung ‹Wald und Holz 4.0› in Biel.
Bild BFH

 

 

Über 80 Vertreterinnen und Vertreter der Waldwirtschaft, der Holzbaubranche, aus der Verwaltung sowie aus Forschung und Entwicklung nahmen am 30. November 2017 an der zweiten Fachveranstaltung ‹Wald und Holz 4.0› des BFH-Zentrums Holz – Ressource und Werkstoff an der BFH in Biel teil. Aus den verschiedenen Vorträgen wurde klar: In einigen Bereichen – wie etwa im Wald oder in der Vorfertigung – ist die Digitalisierung bereits sehr präsent und sichtbar, an anderen Stellen wird die Zukunft noch stärkere Veränderungen bringen.

 

‹Nicht um des Digitalisierens willen digitalisieren›

 

In ihren Inputreferaten zu Beginn der Veranstaltung wiesen Jan Marco Leimeister von der Universität St. Gallen sowie Patricia Deflorin von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur darauf hin, dass nicht einfach ‹alles digital› werden solle, sondern dass es darum gehe, ‹smart zu digitalisieren›, so Leimeister.

 

Er riet, überall da zu digitalisieren, wo es für den Kunden Sinn mache. Deflorin unterstützte diese Sicht und ergänzte in ihrem Referat: ‹Bei der Digitalisierung muss immer ein Nutzen da sein. Wir digitalisieren nicht um des Digitalisierens willen.› Sie rät, nur notwendige Veränderungen anzupacken und schrittweise vorzugehen.

 

Komplexe Prozesse in der Waldwirtschaft

 

Der Themenblock Waldwirtschaft befasste sich mit Konzepten der Digitalisierung, die zur Reduktion der komplexen Prozesse und zu deren effizienteren Gestaltung im Forstbereich bereits seit längerem vorhanden sind. Umsetzungsbeispiele wurden an der Tagung präsentiert. Rainer Joosten vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen führte die Anwesenden in eine Augmented-Reality-Welt im Wald, wo der Förster per Knopfdruck die Bäume markiert, die stehen bleiben, und ebenso jene, die gefällt werden.

 

Das System berechnet dann, welches Holz so erwirtschaftet wird, und kann sogar mit Holzerntemaschinen vernetzt werden, welche die Bäume dann automatisch ansteuern und fällen. Martin Hoppen von der RWTH Aachen sprach über die Konzepte zur Realisierung von Industrie-4.0-Anwendungen in der Waldwirtschaft, die das Institut für Mensch-Maschine-Interaktion der RWTH Aachen verfolgt.

 

Martin Ziesak von der BFH referierte zu sogenannten ‹Cyber Physical Systems› – Systemen, die reale und informationsverarbeitende Objekte verknüpfen und über ein Informationsnetz verbinden. Diese Rolle könnten zukünftig ‹smarte› Forwarder oder Motorsägen einnehmen.

 

Werkzeugkasten 4.0 für die Holzwirtschaft

 

Im parallel zum Themenblock Waldwirtschaft geführten Input zur Holzwirtschaft stellte Manfred Gronalt von der Universität für Bodenkultur BOKU in Wien einen Werkzeugkasten zur Umsetzung von Industrie-4.0-Gedanken vor. Thomas Lädrach von der Reinhardt Holz AG sprach über die Datenerfassung in der Sägeindustrie, verschiedene digitale Projekte, die umgesetzt und geprüft wurden, sowie das Potential für eine verbesserte Planung und für Kostenreduktionen.

 

Als dritter Referent des Themenblocks Holzwirtschaft gab Heiko Thömen von der BFH einen Überblick über die heutigen Anwendungen in den Bereichen Virtual und Augmented Reality. Er präsentierte seine Vision der digitalen Zukunft: Produkte werden in der virtuellen Realität konfiguriert, die Datenübergabe erfolgt automatisiert an die Produktion, und die Montage erfolgt mit Unterstützung von Augmented Reality.

 

Unternehmen stärken: die Initiative Wald & Holz 4.0

 

Rolf Baumann von der BFH beleuchtete zum Schluss die Komplexität der digitalen Transformation, die sich aus der Kombination verschiedenster neuer Technologien und Marktveränderungen ergibt. Diese Komplexität war Auslöser für die Initiative Wald & Holz 4.0. Die Initiative fördert, begleitet und unterstützt die Unternehmen in dem tiefgreifenden Wandel der digitalen Transformation.

 

Baumann zeigte den aktuellen Stand und die nächsten Schritte der Initiative auf. Eindrücklich ist die breite Unterstützung durch acht Branchenverbände. Ergebnisse aus dieser Initiative werden an der dritten Fachveranstaltung ‹Wald und Holz 4.0› präsentiert. Sie findet voraussichtlich im November dieses Jahres statt.

 


Link www.wh40.ch