Der Holzbau erobert sich mit dem mehrgeschossigen Bauen seinen Platz im urbanen Umfeld zurück. Überbauung Hegianwandweg in Zürich (EM2N Architekten, Zürich). Bild Hannes Henz, Zürich.

Mehrgeschossiger Holzbau

Der Holzbau kommt zurück in die Stadt

 

 

Die Behörden konnten in der Schweiz lange Zeit Holzbauten aufgrund der Brandschutzvorschriften nur bewilligen, wenn sie nicht mehr als zwei Geschosse aufwiesen. Das hat die Holzanwendung weitgehend auf den Massstab des Einfamilienhauses beschränkt. Jetzt findet Holz jedoch mit grossen Volumen langsam zurück ins urbane Umfeld.

 

2005 ist dem nachwachsenden Baustoff ein Durchbruch gelungen: Seither gelten schweizweit Brandschutzvorschriften, die deutlich besser auf das Holz abgestimmt sind. Damit sind nun unter bestimmten Voraussetzungen Holzbauten bis sechs Geschosse und Holzfassaden sogar bis acht Geschosse möglich.

 

Bedingung für diesen Quantensprung war die Entwicklung sicherer Lösungen für den Brandschutz im mehrgeschossigen Holzbau. Dieser Herausforderung hat sich die Holzbranche in einem fast zehn Jahre dauernden Unternehmen mit intensiver Forschung und Entwicklung zusammen mit Forschungsinstituten und Hochschulen gestellt.

 

Die Mehrgeschossigkeit eröffnet dem Holzbau bedeutende Marktsegmente, insbesondere bei Wohnsiedlungen und Bürobauten. Damit kommt der moderne Holzbau auch mit grossen Objekten zurück in die Stadt.

 

Beispiel Zürich: Genossenschaften als Taktgeber

 

Die Stimmberechtigten der Stadt Zürich haben 2008 beschlossen, die 2000-Watt-Gesellschaft Realität werden zu lassen. Zürich ist damit zu einem schweizweit beachteten Labor geworden. Wohnbaugenossenschaften wirken in der baulichen Umsetzung der Vision mittlerweile als Taktgeber. Sie schöpfen dabei für grossvolumige Neubauten die heutigen Möglichkeiten des Holzbaus konsequent aus.

 

Die Liste der jüngsten im Holzbau realisierten Genossenschaftsprojekte ist beeindruckend: Beim Albisriederplatz an der Badenerstrasse 380 in Zürich ist ein sechsstöckiges Wohn- und Geschäftshaus der Baugenossenschaft Zurlinden entstanden, das den Kriterien der 2000-Watt-Gesellschaft entspricht. Der Bau umfasst 54 Mietwohnungen in den oberen Stockwerken und eine Migros-Verkaufsfläche im Erdgeschoss.

 

Am Leonhard-Ragaz-Weg – ebenfalls in der Stadt Zürich – ist ebenfalls eine Neubausiedlung nach den Anforderungen der 2000-Watt-Gesellschaft mit über 160 Wohnungen errichtet worden: Die Baugenossenschaft Turicum tritt dort mit einem 60-Millionen-Projekt auf den Plan.

 

Mit den Genossenschaften Zurlinden und Turicum investiert auch die Familienheim-Genossenschaft (FGZ) erneut in die Holzbauweise. Knapp 85 Millionen kostet der Ersatzneubau ‹Grünmatt› mit 155 Wohneinheiten. Die Siedlung ersetzt 64 eingeschossige Reiheneinfamilienhäuser von 1929, deren Bausubstanz nicht mehr zu retten ist. Die FGZ hat bereits 2003 mit einer städtisch anmutenden Holzbau-Siedlung am Hegianwandweg (Bild) einen Meilenstein des neuen urbanen Holzbaus gesetzt.

 

Aufbruchstimmung nicht zuletzt auch in Winterthur: Auf dem Gelände der alten Giesserei in Neuhegi (ehemaliges Sulzer-Areal in Winterthur), ganz in der Nähe der grossen Nullenergie-Siedlung ‹Eulachhof› mit ihrer markanten Holzfassade, sind zwei sechsstöckige Holzbauten nach Minergie-P-Eco mit rund 150 Wohnungen entstanden. Bauherrin ist die Genossenschaft GESEWO zusammen mit dem Verein Mehrgenerationenhaus.

 

Eine ganze Anzahl weiterer Projekte mit Holz stehen zurzeit im Bau oder sind in Planung. 

 

Überblick 2012 in kompakter Form

 

Den Stand der Dinge im mehrgeschossigen Holzbau in der Schweiz fasst das topaktuelle Buch ‹Holzbau – mehrgeschossig› in der Schriftenreihe Nachhaltigkeit des Zürcher Faktor Verlags zusammen. Erschienen ist es mit Unterstützung der Lignum sowie des Aktionsplans Holz des BAFU.

 

‹Holzbau – mehrgeschossig› schafft einen Überblick zu den in der Schweiz in den letzten Jahren realisierten Bauten aus dem nachwachsenden Baustoff Holz mit mehr als drei Geschossen. Zwölf architektonisch überzeugende Objekte zeigen die Vielfalt der bereits erstellten Gebäude und werden in Text, Bild und Plan vorgestellt. Das Spektrum reicht vom klassischen Mehrfamilienhaus über Wohnsiedlungen, Verwaltungs- oder Bürogebäude bis zum Schulhaus und Hotel.

 

Dass die Mehrheit der Objekte dabei die Kriterien einer besonders energieeffizienten Bauweise erfüllt, ist kein Zufall. Denn die Holzbauweise bildet für das nachhaltige Gebäude der Zukunft aufgrund der Eigenschaften des nachwachsenden Rohstoffs eine solide Basis. Weitere Vorteile sind die vergleichsweise schnelle Bauweise und die hohen Dämmwerte trotz schlanker Konstruktionen.

 

Neben den vorgestellten Objektbeispielen bietet die Publikation überdies einen Einblick in die aktuelle Diskussion um Kosten, Machbarkeit und Visionen der mehrgeschossigen Holzbauweise. Sie nennt die Fakten, welche potentielle Bauherrschaften überzeugen können, mit Holz zu bauen, und zeigt die wichtigsten Konstruktionen der innovativen Bauweise. Damit richtet sich ‹Holzbau – mehrgeschossig› gleichermassen an interessierte Investoren, Bauherrschaften und Baufachleute.

 


Buch im Online-Shop der Lignum bestellen