Oben: Gartenschwimmbad in Seuzach (Architekten Kollektiv AG, Winterthur). Die Umrandung besteht aus Douglasie. Bild Thomas aus der Au, Winterthur. Unten: Brettschnitte. Von oben nach unten: Riftbrett, Halbriftbrett, Seitenbrett, Markbrett.

Holzroste

Natur statt Beton unter den Füssen

 

 

Holzroste sind im Aussenraum sehr beliebt. Grund genug, sich einige Grundregeln einzuprägen, damit die Freude daran von Dauer ist.

 

So manches Gründerzeithaus in der Stadt hat zwar keine Balkone, bietet aber dafür eine Dachterrasse, die im Sommer für alle Hausbewohner ideal wäre zum Sonnenbaden und Grillieren. Wenn da nur das Blechdach nicht wäre, dessen Hitze den Aufenthalt bis nach Einbruch der Dunkelheit zur Qual macht!

 

Ein Holzrost kann in solchen Fällen den Weg zu mehr Lebensqualität ebnen. Doch auch jeder ‹normale› Balkon, jede Einfamilienhaus-Terrasse gewinnt mit einem begehbaren Holzrost einen Touch Natur. Nicht zuletzt geben Holzroste auch dem Pool im Garten draussen als Umrandung ein ansprechendes Gesicht.

 

Nicht alles eignet sich

 

Geeignete Holzarten für Roste im Aussenbereich sind zum Beispiel Robinie, Eiche, Edelkastanie; Lärche und Douglasie kommen am häufigsten zum Zug. Wer mit dem Gedanken spielt, eine bestimmte Fläche mit einem Rost zu belegen, sollte sich im Fachhandel zeigen lassen, wie diese Holzarten optisch wirken. Es empfiehlt sich, wie bei Bodenbelägen im Hausinneren auch hier einen Test zu machen: indem man ein Muster nach Hause nimmt und vor dem Kauf kritisch zu beurteilen versucht, wie das gewählte Holz als Rost denn nun wirkt.

 

Mit der Entscheidung für eine bestimmte Holzart, für einen bestimmten Rost ist aber nur der erste Schritt getan. Die Auswahl bedarf nun vertiefter Prüfung. Zunächst einmal muss man sich davon überzeugen, dass das gewählte Holz möglichst frei ist von Harztaschen, denn bei hochsommerlichen Temperaturen verderben einem sonst klebrige Rückständen an Schuhen oder Fussohlen den Spass am neuen Outfit der Terrasse oder des Balkons. Wer nur auf den günstigsten Preis achtet, zahlt vielleicht später eher mit ärgerlichen Erlebnissen der langhaftenden Art.

Voraussetzung: der richtige Brettschnitt

 

Es schätzt es auch niemand, wenn man jeden Tag Holzsplitter aus den Füssen ziehen muss – deshalb sollte man darauf achten, dass die Rostbretter richtig geschnitten sind. Keinesfalls darf der Rost aus Seitenbrettern bestehen, denn bei dieser Schnittart stellen sich bei Feuchtegehaltsschwankungen sofort abstehende Splitter ein. Um Splitter zu vermeiden, sollten zudem die oberen Kanten der Bretter gerundet oder gerade gebrochen (gefast) sein.

 

Seitenbretter für Roste im Aussenbereich zu meiden, ist noch aus einem zweiten Grund wichtig: man schützt sich so davor, dass sich die Rostbretter beim ersten Regen nach Lust und Laune wölben. Jedes Holz ‹arbeitet›, aber die damit einhergehende Verformung muss in einem brauchbaren Mass bleiben. Deshalb sollte man Bretter im Rift- oder Halbriftschnitt oder aber mittengetrennte Bretter für Roste verwenden und Markbretter ebenso wie die Seitenbretter von Anfang an aus dem Spiel lassen.

 

Nicht ganz so entscheidend ist, ob die Rostbretter etwas Buchs (Reaktions- oder Rotholz) und kleinere Äste zeigen; bei günstigeren Varianten ist damit zu rechnen. Auch kürzere Oberflächen- und Endrisse müssen in Kauf genommen werden, wenn man ein Schnäppchen sucht; sie sind bis zu einer Länge von etwa 5 cm absolut unproblematisch. Bretter, die mehr als etwa 15 cm breit sind, sollte man vermeiden: sie tendieren zu starker Rissbildung. Gängige normierte Fertigquerschnitte sind 25/94 mm und 32/94 mm; Standardlängen sind 4 m und 5 m, je nach Holzart.

Der Hauptfeind heisst stehendes Wasser

 

Der Untergrund für einen Holzrost muss immer fest sein (Beton, Blechdach, Asphalt usw., ein einfaches Kiesbett zum Beispiel im Garten draussen reicht nicht), damit der Holzrost stabil aufliegt. Der Untergrund sollte im übrigen ein leichtes Gefälle haben, damit Regenwasser gut abfliessen kann.

 

Holzroste dürfen nie in stehendem Wasser liegen. Die Spaltbreite zwischen den einzelnen Bodenbrettern sollte minimal 8 mm betragen. Unter die Auflagerbretter können als Distanzhalter zum Untergrund punktweise Neoprenlager oder ebenbürtige Produkte angebracht werden, damit die Auflagerbretter mindestens 1 cm über dem Untergrund liegen. Dieser muss periodisch gereinigt werden, damit eine wirksame Entwässerung jederzeit gewährleistet ist.

 

Für Nadelhölzer wie Lärche und Douglasie ist eine offenporige und wasserabstossende, allseitige Oberflächenbehandlung empfehlenswert. Sie verzögert die Holzalterung, reduziert die Wasserfleckenbildung und vermindert die Rissbildung im Holz. Dadurch bleibt der Rost auch gut in Form. Druckimprägnierte Fichte, auch Weisstanne werden oft mit Vorteil verwendet.

 

Wichtig zu wissen: wenn das Holz unbehandelt bleibt – was bei richtiger Verlegung zum Beispiel bei Robinie oder Edelkastanie problemlos ist –, so erhält es im Verlauf einiger weniger Jahre einen silbergrauen Farbton, ganz unabhängig von der gewählten Holzart. Ein nicht zu vernachlässigendes Detail: Rostfreie Schrauben sind in jedem Fall ein Muss!

 

Hilfreiches Vademecum der Lignum

 

Für den Bau von Terrassenbelägen aus Holz bestehen in der Schweiz trotz der stark zunehmenden Verbreitung sowie der vielfältigen und zunehmend höheren Qualitätsansprüche keine normativen Regelungen. Um so mehr lohnt es sich, die verfügbaren Materialien und deren sachgerechte Anwendung genau zu studieren und sich mit den wesentlichen Faktoren einer guten Ausführungsqualität vertraut zu machen. Zu diesem Zweck hat die Lignum das umfangreiche Lignatec-Heft ‹Terrassenbeläge aus Holz› erarbeitet.

 

Die Fachpublikation mit 40 Seiten Umfang richtet sich an Planer wie Architekten, Landschaftsarchitekten und Holzbauplaner sowie an Holzlieferanten, Holzbauunternehmer, Zimmerleute, Schreiner, Parkettverleger und Gartenbauunternehmer, dient aber auch technisch interessierten Bauherren, um Lieferanten und ausführenden Unternehmern auf Augenhöhe begegnen zu können. Auffindbar ist das Heft unter dem folgenden Link.

 

www.lignum.ch/shop/lignatec