Haus Maurer in Langenthal (Architekt: Thomas Maurer, Langenthal). Bild Francesca Giovanelli, Weiningen.

Innovative Architektur baut auf Holz

 

 

Vor zwanzig Jahren noch galt Holzarchitektur in der Schweiz als traditionsgebunden, wenn nicht als nostalgisch. Zum Holzbau, der sich ab den neunziger Jahren entwickelt hat, passen andere Attribute: elegant, gediegen, modern, individuell oder schlicht schön. Die Architektur hat einen Baustoff neu entdeckt, der enorme Gestaltungsmöglichkeiten bietet.

 

Technisch kann Holz mit allen anderen Baumaterialien rundum mithalten. Ein Würfel von 4 cm Kantenlänge aus Tannenholz trägt im Laborversuch vier Tonnen. Zwar ist Holz biologisch abbaubar, doch die zersetzenden Organismen können nur in einem feuchten Milieu tätig werden.

 

Das richtige Holz, mit Sachverstand verbaut und so vor Feuchtigkeit geschützt, hält nahezu unbegrenzt. Der älteste Holzbau der Schweiz, das Schwyzer Haus Nideröst, im Kantonshauptort vor der Baggerschaufel gerettet und seit kurzem am Morgarten wiederaufgebaut, stammt aus dem Jahr 1176.

 

Holz ist quer zur Faser hundertmal weniger zugfest als längs, quillt und schwindet je nach Feuchtigkeit. Diese Probleme lassen sich oft durch Holzwerkstoffe lösen. Sperrholzplatten zum Beispiel quellen und schwinden nicht und weisen eine gleichmässige Festigkeit auf. Die Leichtigkeit von Holz bei zugleich hoher Festigkeit hat bauliche Vorteile. Stein und Beton sind viel schwerer. Baut man mit Holz, ist ein weniger starkes Fundament nötig.

 

Die Feuerwehr hat lieber Holz

 

Holz brennt – aber berechenbar. Tatsächlich sind der Feuerwehr Konstruktionen aus Holz oft lieber als Metallkonstruktionen. Letztere verformen sich unter Hitzeeinwirkung rasch, wogegen ein Holzbalken seine Stabilität im Brandfall noch sehr lange behält.

 

Diese Stärke kommt daher, dass selbst trockenes Holz noch Wasser enthält, das zuerst verdampfen muss. Solange bleibt die Temperatur im Holz im Bereich von 100 °C. Bei rund 270 °C beginnt die Verbrennung. Die Abbrandgeschwindigkeit beträgt etwa 1 mm pro Minute.

 

Auch wenn es in einem 1000 °C heissen Feuer brennt, bleibt Holz schon einen Zentimeter unter der verkohlten Oberfläche unbeschädigt und der Restquerschnitt tragfähig. Stahl verliert hingegen schon ab 450 °C seine Tragfähigkeit, und die Druckfestigkeit von Beton reduziert sich bei 650 °C um zwei Drittel.

 

Alles dabei – von Anfang an

 

In modernen Fabrikationsanlagen werden heute ganze Hausteile vorproduziert – Raumzellen, Wände oder Deckenelemente mitsamt der Wärmedämmung, den Leitungen, den Fenstern und Türen. Vor Ort fügt man die Elemente dann zusammen. Die Systembauweise erfordert sorgfältige Planung, verkürzt aber die Bauzeit enorm. Ein vorgefertigtes Einfamilienhaus steht nach einem Tag.

 

Ein Gebäude wird für mehrere Generationen gebaut. Die Bedürfnisse können sich in dieser Zeit ändern. Holzbauten sind flexibel. Sie lassen sich leichter erweitern, aufstocken und umbauen als massiv gebaute Häuser.

 

Holz ist der zeitgemässe Baustoff mit vielversprechender Zukunft. Die Broschüre ‹Holzbau Argumente› sammelt die besten Gründe für die Anwendung von Holz für Bauen und Wohnen und geht dabei vertieft auf acht Aspekte ein: Material, Planung, Systembau, Lebensdauer, Mehrwert, Sicherheit, Komfort und Nachhaltigkeit. Die Publikation steht hier zum Download als PDF bereit.