Holz versteckt sich überall

 

 

Industrieholz-Produkte begleiten uns auf Schritt und Tritt. Das alltäglichste ist Papier. Doch Holz ist auch für viele Überraschungen gut – in nächster Nähe.

 

Rundholz, das Naturprodukt aus dem Wald, wird in drei Sortimente unterteilt: Brennholz, Stammholz, das zu Brettern geschnitten, zu Furnieren oder Sperrholz verarbeitet wird, und Industrieholz. Letzteres bildet den Rohstoff für eine spezialisierte Industrie. Es wird mechanisch zerkleinert oder chemisch in seine Bestandteile zerlegt und zu unzähligen Produkten und Werkstoffen verarbeitet, von denen keiner mehr ahnen würde, dass sie zumindest teilweise aus dem Wald stammen. Holz wird neu erfunden.

 

Die Sägereien können von einem Baumstamm nur knapp zwei Drittel des Volumens als Wertholz verwenden. Der Rest landet entweder in Öfen oder wird industriell verwertet. Dasselbe geschieht mit Holz aus dem Wald, das keinen anderweitigen Absatz findet.

 

Auch die Produktion von Recyclingpapier kommt nicht ganz ohne frisches Holz aus. Das Papier der hiesigen Tageszeitungen besteht in der Regel zu rund 70% aus Altpapier, den Rest bilden Frischfasern aus Fichtenholz.

 

Ebenfalls ins Gewicht fällt die Produktion von Faserplatten – weiche, die als Isoliermaterial gefragt sind, bis pickelharte, in die man kaum mehr ein Loch bohren kann. Faserplatten kommen hauptsächlich im Bau und in der Möbelproduktion zum Einsatz.

 

Fast unbekannt sind Holzprodukte, die auf chemischem Weg entstehen. Dabei wird Holz in die Gerüstsubstanzen Zellulose und Hemizellulose, Holzzucker sowie die Kittsubstanz Lignin aufgeschlossen und anschliessend weiterverarbeitet.


Hätten Sie’s gewusst?


Stöckelschuh

 

Holz, verarbeitet zu harten Faserplatten, macht den Stöckelschuh standfest.

 

Pullover

 

Holz macht den Pulli fein, weich und hautfreundlich – dank der Viskose, die in mehreren Schritten aus Zellulose hergestellt wird. Sie hat ähnliche Eigenschaften wie Baumwolle und kann viel Feuchtigkeit aufnehmen. Als Rohstoff dient Buchenholz.

 

Orangensaft

 

Im Orangensaft schwimmt Holz: Ohne die beigefügte Mikrozellulose wäre das Fruchtmark unten und das Wasser oben. Holz sorgt dafür, dass im Glas stets alles schön in der Schwebe bleibt.

 

Faserplatte

 

Weichfaserplatten sind ein Baumaterial mit sehr guten Wärmedämmwerten. Der Trend zur energiesparenden Bauweise sorgt für einen wachsenden Bedarf.

 

Spanplatte

 

Die Spanplatte wurde in der Schweiz erfunden. Heute wird die Oberfläche häufig durch Dekors veredelt. In modernen, farbenfrohen Küchen ahnt man kaum noch, dass sie zum grössten Teil aus Holz bestehen.

 

Tablette

 

Ein paar Milligramm Wirksubstanz, der Rest ist Füllstoff auf Zellulosebasis. Die mikrokristalline Zellulose reguliert auch den Auflösungsprozess der Tabletten.

 

Desinfektionsmittel

 

Der Sprit, der die Spritze sauber hält, kommt aus dem Wald. Ein Grossteil des Industriealkohols wird aus vergärtem Holzzucker destilliert.

 

Tapete

 

Das Zusammenspiel von Holzfasern in der Tapete und chemisch umgewandelter Zellulose im Kleister machen einen Tapetenwechsel dauerhaft. Die Zellulose optimiert im Kleister die ‹offene Zeit› bis zum Trocknen. Heimwerker wie Profis wissen das zu schätzen.

 

Hefe

 

Holzzucker und andere Nährstoffe werden als Grundlage für die Herstellung von Hefe verwendet, zum Beispiel für Lebensmittel und für Tierfutter.

 

Holzwolle

 

1885 wurde die erste Maschine zur Herstellung von Holzwolle patentiert. Das Industrieholzprodukt erlebt heute in der Schweiz eine Renaissance. Wichtige Kunden sind Landwirte mit Erdbeerkulturen, doch auch für Verpackungen erlebt Holzwolle eine Renaissance: ISO-zertifizierte Industrie- und Gewerbebetriebe sind verpflichtet, umweltschonendes Verpackungsmaterial zu verwenden – Holzwolle erfüllt diese Anforderungen bestens.

 

Beton

 

Selbst Beton kommt nicht ohne Holz aus: Lignin bestimmt, wie gut er fliesst und wie schnell er fest wird.