Gastliche Holz-Module: Blick ins Musterzimmer des modular aufgebauten Hotels ‹Bever Lodge› in Savognin. Bild Dolores Rupa, Chur.

Module aus Holz

Bausteine für mehr Raum

 

 

Die Bank baut um und muss deshalb für ein Jahr Büroarbeitsplätze auslagern. Die Schule braucht dringend einige Klassenzimmer mehr – der beschlossene Schulhaus-Neubau steht aber erst in einigen Jahren. Oder: Die Gemeinde muss rasch soliden Wohnraum für Flüchtlinge bereitstellen. In solchen Fällen bieten sich Holz-Module an. Sie sind flexibel zu handhaben und stehen rasch bereit. Und das nicht nur als Einzelstück und auf Zeit.

 

Möglich wird das eben deshalb, weil die Module aus Holz sind. Die Verwendung dieses Materials erlaubt es, Bauteile – Wände, Decken oder eben auch ganze Raumelemente wie Module – im Werk vorzufertigen, auf die Baustelle zu transportieren und dort in Kürze zu einem fixfertigen Ganzen zusammenzusetzen. Die Leitungen sind bei vorfabrizierten Wänden bereits verlegt, die Anschlüsse ausgespart, die Wärmedämmungen integriert.

 

Alles fügt sich wie ein grosses Puzzle im Handumdrehen zusammen – ohne Staub, ohne wochen- und monatelangen Stress und Lärm und ohne aufwendige Nachbesserungen. Module lassen sich auch aneinanderreihen oder stapeln. Der Modulbau multipliziert gleichsam die ausgewiesenen Stärken des Holzbaus: Er ist noch präziser in der Fertigung, noch schneller im Aufbau, noch wirtschaftlicher, noch effizienter und dadurch auch noch kostengünstiger.

 

Lösung für Gemeindesorgen

 

Gemeinden stehen oft vor der Frage, wie sie kurzfristig zu vernünftigen Kosten mehr Raum schaffen sollen – der auch wieder reduzierbar sein muss, wenn die Bedarfsspitze vorüber ist. Ein typisches Beispiel dafür sind Schulen. Die Stadt Zürich etwa kann ein Lied davon singen, wie es ist, wenn in diesem und jenem Quartier plötzlich die Kinderzahlen wachsen – und wieder schwinden.

 

Ihre Lösung ist das Holz-Schulhaus-Modul ‹Züri-Modular›, ein Entwurf der Berner Bauart Architekten. Jeder Einheitspavillon mit zwei Unterrichtsräumen, WC, Eingangsbereich, Garderobe und Installationen für Heizung und Beleuchtung ist eine selbständige Betriebseinheit. Das System kombinierbarer Raumeinheiten erlaubt eine Wiederverwendung an einem anderem Standort. Die Module sind an bald drei Dutzend Orten in der Stadt anzutreffen – weitere werden in den nächsten Jahren laufend dazukommen.

 

In jüngster Zeit rückt auf Gemeindeebene ein weiteres Bedürfnis in den Fokus: die Schaffung von Wohnraum für Migranten. Bauten aus Holzmodulen bieten anders als blosse Container werthaltige Behaglichkeit, sind aber dennoch schnell geplant und im Handumdrehen erstellt. Sie lassen sich rasch erweitern, aufstocken oder umplazieren. Und sie lassen nach der Erstbelegung eine langfristige Nachnutzung zu. Auch das ist aus Sicht der Gemeinwesen ein wichtiger Punkt.

 

Dauerhaftigkeit inbegriffen

 

Die Wahl von Holz-Modulen ist generell nicht nur für zeitlich begrenzte Bedürfnisse eine clevere Lösung. Das modulare Bauprinzip lässt sich durchaus auch in permanenten Gebäuden mit Gewinn durchdeklinieren – für Gewerbe, Handel und Industrie ebenso wie für Verwaltung und Büro. Auch für dauerhafte Beherbergungsbetriebe kommt es mit Gewinn zum Zug.

 

Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Projekt ‹Bever Lodge› im Engadin: ein Holz-Hotel in Modulbauweise mit rund 40 Zimmern, das im Dezember 2015 eröffnet wurde. Es folgt dem Gedanken einer seriellen Wiederholung genau ausgearbeiteter Raumzellen. Durch die horizontale und vertikale Aneinanderreihung gleichbleibender hölzerner Boxen ergibt sich ein klar strukturierter, dreigeschossiger Baukörper mit mittiger Erschliessungsachse. Der modulare Aufbau der Zimmer reduzierte die Bauzeit auf ein Minimum.

 

Die Vorfertigung macht's

 

Die Raumzellen wurden komplett vorgefertigt: Sämtliche Installationen, Sanitärapparate und die Möblierung sind in die Boxen bereits fix eingebaut. Auch Sondernutzungen wie Fitnessraum und Sitzungszimmer im Erdgeschoss sind auf diesem modularen System aufgebaut. Alle Module sind selbsttragend ausgebildet. Das statisches Konzept beschränkt den gesamten Lastabtrag auf nur gerade vier Punkte innerhalb der einzelnen Module, während gleichzeitig im Erdgeschoss und in allen Obergeschossen auf die Ausbildung von massiven Kernen verzichtet werden kann.

 

Savognin steht im Bündnerland übrigens mit dem modularen Ansatz für Hotelbauten nicht allein da. Ein weiteres aktuelles Anschauungsbeispiel für einen Beherbergungsbetrieb in modularem Aufbau bietet die Gemeinde Vals. Beim Hotel ‹Rovanada› wurden 2009 vierzehn Hotelzimmer mit einem Grundriss von 24m2 pro Raum in Modulbauweise ausgeführt. Auch hier wurden die Hotelzimmer einschliesslich der Innenausstattung und Möbel im Werk vorfabriziert und auf die Baustelle transportiert. Die Montage der Räume nahm nur drei Tage in Anspruch. Die Module entsprechen dem Minergie-Standard.