Anbauen mit Holz

Abschied von der Enge

 

 

Viele Häuser sind zu einer Zeit enstanden, als die Standards bezüglich Raumangebot deutlich tiefer lagen als heute. So verwundert es nicht, dass viele Hauseigentümer heute in Erweiterungen investieren. Im Holzbau entsteht in kurzer Zeit zusätzlicher Raum für Wohnen und mehr.

 

Die Ansprüche von Herrn und Frau Schweizer an das Wohnumfeld haben sich in den letzten zwanzig Jahren im Zeichen wachsenden Wohlstands markant verändert. An sich kein Wunder: denn ein Grossteil aller Wohnungen in der Schweiz ist älter als 40 Jahre, sehr viele Häuser sind gar vor 1945 erstellt worden. Und in den städtischen Kerngebieten ist der Anteil alter Objekte noch einmal massiv höher.

 

Neben eindeutig höheren Ansprüchen gegenüber früher bezüglich Komfort im allgemeinen, besonders aber mit Blick auf Haustechnik, Raumflexibilität und Belichtung, sticht vor allem der klar gewachsene Bedarf an Wohnfläche pro Kopf hervor. Er hat ab 1980, wenn auch unter Verflachung der Kurve in den neunziger Jahren, stark zugenommen und erreicht heute rund 45 m2.

 

Das Haus erweitern – am besten mit Holz

 

Angesichts knapper Flächenressourcen, hoher Landpreise und Bestandswerte sind passende Baukonzepte für den erhöhten Wohnraumbedarf gefragt: Umnutzung, Aufstockung und Erweiterung von bestehender Substanz. Im Umfeld des Eigenheims heissen die Wege zu mehr Wohnfläche – je nach individueller Sachlage – Dachausbau oder aber Vergrösserung des Volumens durch ein Zusatzgeschoss, einen Anbau oder ein Zusatzgebäude.

 

Unabhängig von der Nutzung bietet der Holzbau gerade beim Erweitern vielfältige Vorteile: zum Beispiel äusserst geringen Zeitbedarf und trockene Bauweise. Die Montage dauert wenige Tage, die Bautrocknungsdauer ist minimal, die Räume sind rasch geschlossen, und auf der Baustelle kehrt Ruhe ein. Die Nutzung der bestehenden Substanz erfährt nur eine geringe Beeinträchtigung, zum Teil geht es sogar ohne Unterbrechungen.

 

Unbestreitbar ein Pluspunkt ist auch die hohe Tragfähigkeit von Holz bei geringem Eigengewicht. Dadurch lassen sich die angebauten Baukörper anheben und auf filigranen Strukturen abstützen. Der bisherige Platz bleibt erhalten, oder es entsteht eine Umgebung mit neuer Nutzung.

 

Rucksack mit Aussicht

 

Ein schönes Beispiel dafür liefert das Einfamilienhaus einer jungen Familie im bernischen Bützberg, das mit einem Holzrahmen-Anbau von Campanile & Michetti Architekten auf einen Schlag um nicht weniger als 50 m2 zugelegt hat – ohne damit auf dem Grundstück Platz zu fressen. Das Haus aus den dreissiger Jahren liegt auf einer schmalen, langgezogenen Parzelle direkt an der Hauptstrasse.

 

Die leichte Hanglage ermöglichte einen Rucksack-Anbau, der sich an die bestehende Fassade anschliessen und auf ein Stahljoch auflegen liess. Der stützenfreie Raum unter dem eingeschossigen, zwischen grossen Bäumen schwebenden Holzkubus dient als gedeckte Gartenhalle oder als Autounterstand mit direkter Ausfahrt auf die Hauptstrasse. Die Auslagerung des Wohnraums in den Anbau liess im Altbau zeitgemässe Flächen für Küche – im Erdgeschoss direkt an den Wohnraum angeschlossen – und Bad zu, im Obergeschoss einen Zugang zur neuen Terrasse.

 

Das minimale Eigengewicht des Anbaus erlaubt eine Lasteinleitung ins Fundament über nur zwei Punkte. Zur Lastabtragung ist im Dach ein querlaufender Stahlträger integriert, welcher in den Wandelementen und über zwei Stahlstützen innerhalb der Fenster die Lasten in das Stahljoch ableitet. Dadurch konnte die Fensterfront des Anbaus in einem leichten Pfosten-Riegel-System in Holz ausgeführt werden.