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Holz kreativ

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12. 10. 2012 00:00 Alter: 225 Tag(e)

Was ist der Wert von Wald und Holz?

Von: Christoph Starck, Direktor Lignum

Wald und Holz sind essentiell für eine nachhaltige Entwicklung der Schweiz insgesamt und für die Bewältigung des Klimawandels im besonderen. Doch auch die Branche selbst muss sich dafür rüsten, die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern.

Ende September hat die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL Alarm geschlagen: Entfalten die Folgen des Klimawandels im Wald ohne Gegenmassnahmen volle Wirkung, so könnte dies den wirtschaftlichen Wert der Waldfläche Europas bis ins Jahr 2100 im Extremfall um die Hälfte vermindern (Lignum Journal online vom 25.9.2012).

 

Weshalb? Die Forscher leiten aus Modellierungen der künftigen Klimabedingungen ab, dass sich Fichte und Tanne als wichtigste Wirtschaftsbaumarten künftig vor allem nach Nordeuropa und in die höheren Lagen der Alpen zurückziehen und somit einen Grossteil ihrer aktuellen Verbreitung verlieren werden. Im Schweizer Mittelland und in den Voralpen erwarten die Wissenschaftler, dass die Buche sowie Eichenarten aus Mittel- und Südeuropa die Fichte zurückdrängen werden. Diese würde dann mit der Weisstanne nur noch in den Hochlagen der Alpen eine grössere Bedeutung haben.

 

Sollten diese Veränderungen tatsächlich so ablaufen, werden sie die Waldwirtschaft empfindlich treffen, da diese in ihrem Einkommen sehr stark von der Fichte und der Weisstanne abhängig ist und die vermutlich neu aufkommenden Baumarten deutlich weniger Ertrag als die bisherigen ‹Brotbäume› bringen. Schwer betroffen wäre natürlich aber auch die gesamte nachgelagerte Holzverarbeitung, die fast durchs Band auf Nadelholz ausgerichtet ist.

 

Die Wald- und Holzwirtschaft kann es sich angesichts solcher Botschaften natürlich nicht leisten, passiv zu bleiben. Sie muss gleich mehrfach reagieren: Sie muss in Forschung und Entwicklung für die Bereitstellung konkurrenzfähiger Laubholzprodukte investieren, sie muss aber auch die Fichtenbestände erhalten und an geeigneten Standorten deren Aufwuchs fördern. Nicht zuletzt muss sie aber auch ohne Scheuklappen nach neuen wirtschaftlich nutzbaren Baumarten suchen – über den Tellerrand der heutigen einheimischen Bestände hinaus.

 

Vor allem muss die Wald- und Holzwirtschaft aber nach allen Seiten eines tun: begreiflich machen, dass sie – und nicht allein der grüne Wald – für eine nachhaltigere Schweiz unabdingbar ist, die jetzt mit Energiewende und Cleantech eingeläutet wird. Der Wald ist nicht nur ein Erholungsort für gestresste Bewohner zubetonierter Agglomerationen und ein gern genutzter Freiraum für Biker, ob mit oder ohne Vignette. Er ist der Ort, wo die Natur mit Sonnenenergie, Wasser und Nährsalzen ein Material herstellt, ohne das es in Zukunft nicht geht: Holz.

 

Schweizer Holz ist ein nachwachsender Rohstoff mit hervorragender Ökobilanz und unglaublich breitem Anwendungsspektrum. Holz kann im Bauwesen graue Energie reduzieren und bietet sich als Baumaterial für Niedrigenergiebauten an. Holz bindet das Treibhausgas CO2 und trägt damit massgeblich zur Dämpfung des Klimawandels bei.

 

Die Waldwirtschaft pflegt und erhält die Ressource Wald und stellt das Material Holz in ökologisch vorbildlicher Art und Weise regional verankert bereit. Die Holzwirtschaft bringt es mit ihrem Know-how zur sinnvollen Anwendung. Die Wertschöpfungskette Wald und Holz ist damit eine der Schlüsselbranchen für eine nachhaltige Entwicklung unseres Landes.

 

Wald und Holz können diese wichtige Funktion in Zukunft jedoch nur dann erfüllen, wenn es die Branche schafft, sich selber von Dogmen und Fixierungen aller Art zu lösen und den enormen Wandel proaktiv anzugehen, der sich mit dem WSL-Warnschuss ankündigt. Bretter gehören je länger je weniger vor den Kopf, sondern an den Bau!