Das Bio-Material Holz verstehen und vermitteln
Die Dozententagung der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Holzforschung versammelt die Dozierenden von Fachhochschulen, Universitäten und Hochschulen, die im Bereich Holz und Holzbau unterrichten. Anfang Monat fanden sich rund 20 Dozierende aus der ganzen Schweiz für einen Tag an der ETH ein und tauschten sich zum Wissen über das Biomaterial Holz aus.
Forschung nach vielen Richtungen
Die Holzproben im Labor des Instituts für Baustoffe der ETH Zürich zeigen sich genauso vielfältig, wie sich die komplexe Holzkette darstellt.
Bild SAH
Andrea Frangi vom Institut für Baukonstruktionen (IBK) der ETH Zürich leitete mit einem Ausblick auf den geplanten Zusammenschluss des ‹Netzwerks Holz› mit der SAH die Tagung ein. Auf Beginn 2013 sollen die beiden Institutionen gemeinsam unter dem Namen ‹Swiss Wood Innovation Network› S-WIN auftreten, sofern die SAH-Generalversammlung vom 26. September diesen Zusammenschluss beschliesst. Nichts ändern soll sich am Ziel, fundiertes Wissen zu Holz zu bündeln und praxisgerecht zu vermitteln.
Frangis Institut IBK arbeitet und forscht aktuell insbesondere in den Bereichen Eigenschaften von Brettschichtholz, Feuersicherheit von Holzkonstruktionen sowie neuartiger Holz-Tragstrukturen. Diese auf das Bauwesen fokussierte Tätigkeit ist für den wertmehrenden Holzverbrauch bedeutend.
Laubholz unter der Lupe
Die Arbeitsgruppe Holzphysik der ETH Zürich, geleitet durch Peter Niemz, forscht aktuell zu mechanisch-physikalischen Eigenschaften von Laubholz, zur Optimierung der Verklebung von Laubholz sowie zu den Eigenschaften druckgedämpfter Eiche, letzteres in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule BFH-AHB Biel. Am 26. November 2012 ist das Thema Laubholz an der ETH Zürich Inhalt eines Montagskolloquiums.
René Steiger von der Abteilung Ingenieur-Strukturen der Empa erläuterte seinerseits Schubversuche mit Laubholz, insbesondere Eschen- und Buchenholz. Diese Arbeiten verzahnen sich mit den Arbeiten zur Holzverklebung an der ETH. Die Arbeiten bringen Erkenntnisse für das bisher wenig erforschte Feld Laubholz und sind auf die Konstruktionspraxis mit Holz ausgerichtet.
Auf der Suche nach neuen Konstruktionen
Aus der Forschungseinheit Holz- und Verbundbau der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau BFH-AHB wurden Arbeiten zu Holz-Beton-Verbund-Konstruktionen präsentiert, welche mit neuen Methoden der Verbundbautechnik aufwarten. Dies betrifft vor allem den Brand- und Schallschutz; integriert sind zudem haustechnische Anlagen, im vorliegenden Falle eine Bodenheizung. Die erzielten Versuchsergebnisse decken sich weitgehend mit den numerischen Berechnungen. Die Arbeiten erfolgten in Zusammenarbeit mit Industriepartnern und der ETH.
Am IBOIS der EPF Lausanne sind Arbeiten zu neuen und dauerhaften Holzkonstruktionen im Gange. Dessen Leiter Yves Weinand führte aus, wie derartige Forschungsarbeiten mit der Lehre verbunden sind und so neue Holzbausysteme in Theorie und Praxis erprobt werden. Am IBOIS tätig sind sowohl Mechaniker als auch Ingenieure und Mathematiker. Am Institut verknüpfen sich die Interessen der Studierenden aus den Bereichen Ingenieurwesen und Architektur und lösen damit fruchtbare Diskussionen und ungewöhnliche Lösungen z.B. zu Baustrukturen aus.
Struktur und Eigenschaften von Holz besser verstehen
Holz besteht aus Lignin, Zellulose und Hemizellulose, ist also kein homogenes Material. Beim Abbau von Holz handelt es sich um oxydative Prozesse. Weil Holz nicht homogen aufgebaut ist, sind die mit dem Abbau verbundenen Prozesse komplex. Florian P. Seebeck vom Departement Chemie der Universität Basel untersucht diese Prozesse, deren Abläufe auch heute noch weitgehend unerforscht sind. Pilze, die im Holz leben, zerstören nach und nach die betroffene Holzstruktur. Das Verständnis der biologischen Holzzersetzung soll dazu führen, Antioxydantien zu finden, die diesen Prozess stoppen oder gar nicht erst aufkommen lassen.
Dem Biomaterial Holz schreibt Ingo Burgert von der Forschungsgruppe Holz am Institut für Baustoffe IfB der ETH Zürich ein Potential als Hochleistungswerkstoff zu. Dort liegen Möglichkeiten, neue auf Holz basierende Materialien zu entwickeln. Holz braucht sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung, um zu neuen Anwendungen zu kommen. Biomimetik, Biomaterialforschung, Nano- und Biotechnologie sind zusammenzuführen, um letztlich zu neuen Materialien zu kommen. Holzmodifikation können Holz und seine Produkte dauerhafter und stabiler machen. Hybride Holz-Komposite führen zu Holzprodukten mit gezüchteten Eigenschaften, und bioinspirierte verformbare Holzelemente eröffnen mit neuen mechanischen Eigenschaften den Weg zu gänzlich neuartigen Anwendungen.
Link www.holzforschung.ch
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