Mehr Treibhausgase wegen kalten Winters im Jahr 2010
In der Schweiz gelangten 2010 wegen der kühleren Temperaturen während der Heizperiode 1,8 Mio. Tonnen mehr Treibhausgase in die Luft als im Vorjahr. Dies zeigt das jährliche Treibhausgasinventar des Bundesamtes für Umwelt BAFU. Die konjunkturelle Erholung im Jahr 2010 hat dagegen nur zu geringen Mehremissionen geführt.
Anteile der einzelnen Sektoren an den Treibhausgasemissionen der Jahre 1990 und 2010
Grafik BAFU
Das Treibhausgasinventar der Schweiz, welches am vergangenen Freitag an die UNO übermittelt wurde, stellt den Ausstoss der für die Klimaerwärmung verantwortlichen Gase zusammen, wie sie das Kyoto-Protokoll festgelegt hat.
Der Treibhausgasausstoss der Schweiz betrug im Jahr 2010 demnach insgesamt 54,2 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente. Die Zunahme um 1,8 Mio. Tonnen gegenüber 2009 entspricht einem Anstieg von 3,4%. Die kräftige Zunahme ist zu 90% auf die tieferen Temperaturen während der Heizperiode zurückzuführen: Die Heizgradtage – als Mass für den Heizenergieeinsatz – lagen 2010 um 12,5% höher als 2009. Die restliche Zunahme dürfte auf die sich erholende Wirtschaft zurückzuführen sein, wie das BAFU vermutet.
Kyoto-Ziele für erste Verpflichtungsperiode doch erreichbar?
Die Senkenleistung des Waldes ist noch unsicher, da die zur Berechnung benötigten Daten des Landesforstinventars erst im Laufe des Jahres vorliegen. Zur Zeit geht man für die Kyoto-Fünfjahresperiode 2008–2012 von einer mittleren Senke von 0,4–1,8 Mio. Tonnen CO2 aus.
Im Bereich der Emissionszertifikate hat der Bund mit der Stiftung Klimarappen vereinbart, dass sie dem Bund jährlich ausländische Emissionszertifikate im Umfang von 2,8–3 Mio. Tonnen abgibt – je nach Umfang der Massnahmen im Inland. Damit kann sich die Schweiz eingespartes CO2 aus Klimaprojekten im Ausland anrechnen lassen. Abgezogen werden müssen hingegen Emissionsrechte im Umfang von zirka 0,3 Mio. Tonnen, welche im Emissionshandel eingebundene Firmen voraussichtlich in die nächste Verpflichtungsperiode übertragen werden.
Aus der Bilanz dieser Elemente und unter Berücksichtigung des sehr milden Jahres 2011 mit deutlich weniger Heizbedarf zeichnet sich ab, dass die Schweiz das Kyoto-Ziel für die Verpflichtungsperiode 2008–2012 vermutlich doch erreichen kann. Die Unsicherheit der Schätzung ist aber nach wie vor gross, wie das BAFU schreibt. Eine nächste Schätzung zur Kyoto-Zielerreichung soll im Herbst 2012 publiziert werden, wenn die Auswertungen des Landesforstinventars vorliegen und die CO2-Emissionen des Jahres 2011 definitiv bekannt sind.
Divergierende Entwicklungen in den einzelnen Sektoren
Der Ausstoss von Treibhausgasen aus dem Verkehrssektor liegt 2010 bei 1,7 Mio. Tonnen oder knapp 12% höher als 1990. Das Maximum wurde 2008 erreicht; seither ist ein leichter Rückgang zu beobachten. Der Verkehr ist heute für einen Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Seit 1990 abgenommen hat der Ausstoss der Sektoren Dienstleistungen (–6%), Haushalte (–3%) und Industrie (–2%). Alle drei zeigen aber deutliche Zunahmen zwischen 2009 und 2010, die durch die grössere Heiztätigkeit und die konjunkturelle Erholung verursacht wurden. Diese Sektoren sind heute zusammen für die Hälfte der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ebenfalls abgenommen haben die Emissionen der Landwirtschaft (–7%). Sie trägt heute zirka einen Achtel zu den gesamten Emissionen bei.
Gewachsen sind die Emissionen des Abfallsektors, der etwa 7% des gesamten Ausstosses verursacht. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die durch die Abfallverbrennung erzeugte Wärme teilweise fossile Brennstoffe in den Sektoren Industrie, Haushalte und Dienstleistungen ersetzt und zur Abnahme in diesen Sektoren beigetragen hat.
Link www.bafu.admin.ch
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