19. 05. 2017 00:01 Alter: 12 Tag(e)

Wochenend-Tip: Auf zum Napoleonturm

Morgen Samstag, 20. Mai wird im Thurgau der neue Napoleonturm auf dem Hohenrain eingeweiht. Das Bauwerk erinnert an die engen Bezüge der Region zur ‹Grande Nation› vor zweihundert Jahren – die Konstruktion und ihre Besteigung sind aber ein Erlebnis über den historischen Kontext hinaus.

 

Alter und neuer Napoleonturm

Links der alte Turm in einer undatierten Zeichnung. Rechts das Projekt für den neuen Turm, der am 20. Mai eröffnet wird (Projektverfasser: Markus Krattiger, Krattiger Engineering, Happerswil | Peter Dransfeld, Dransfeld Architekten, Ermatingen; Holzbau: ARGE Ilg, Ermatingen; Kämpf, Raperswilen; Sommerhalder, Märstetten; Brenner & Jöhr, Engwilen | Leitung: Peter Schwarz, Raperswilen).

Bilder napoleonturm-hohenrain.ch

 

 

Im Thurgau gibt es in Arenenberg am Untersee ein Schloss, das französische Geschichte atmet: Hortense de Beauharnais, Stieftochter Napoleons, bezog es 1816 als Exilsitz, baute die Anlage aus und richtete die Salons standesgemäss üppig ein. Ab 1829 gab es im Hohenrain aber auch einen Aussichtsturm, der im Volksmund Napoleonturm genannt wurde. Dies deshalb, weil er auf Initiative des jungen Louis Napoleon errichtet worden sein soll, des späteren Kaisers Napoleon III., der zu jener Zeit auf Arenenberg gelebt hat.

 

‹Belvédère› für allerlei Lustbarkeiten

 

Zimmermann Peter aus Egelshofen bei Altenklingen erbaute den Holzturm. Mit einer Höhe von 21 m überragte er den damals niedrigen Buschwald bei weitem, so dass sich ein eindrückliches Panorama bot. Auf der unteren Plattform sollen sich eine Tanzfläche, auf der mittleren ein kleines Restaurant und auf der oberen ein Fernrohr befunden haben. Zusammen mit seiner Mutter Hortense und illustren Gästen, darunter Franz Liszt, soll der künftige französische Kaiser den Rundblick ins Land jeweils sehr genossen haben.

 

Dem leicht gebauten hölzernen ‹Belvédère› setzten indessen mit den Jahren Wind und Wetter stark zu. Für eine Sanierung fehlte das Geld; der Turm wurde 1850 an den reichen Engländer George Treherne verkauft, der im Schloss Hard in Ermatingen wohnte. Es heisst, er hätte gerne bei Hohenrain gebaut. Das blieb ihm aber verwehrt, weshalb er sich entschloss, im Müllberg bei Raperswilen einen Herrschaftssitz zu erstellen und den Turm 1855 abzubrechen.

 

Moderne Holzkonstruktion als Nachfolger

 

Jetzt ist der Napoleonturm in neuer Gestalt wiederauferstanden. Den Anstoss dazu gab Bruno Vetterli aus Salenstein, der sich auf vielen Ebenen für den Erhalt des historisch Gewachsenen in der Gegend einsetzt. 2012 wurde ein Verein zum Wiederaufbau des Turms gegründet. Initiant Vetterli hätte gern einen Nachbau des napoleonischen Vorbildes gesehen. Im Projektwettbewerb für den Neubau machte dann jedoch die Eingabe des Ermatinger Architekten Peter Dransfeld das Rennen: eine eigenständige, moderne Holzkonstruktion.

 

Dransfeld sagt, er habe eine ruhige und unspektakuläre Form gesucht. ‹Ein klares und nachvollziehbares Konzept für Statik und Konstruktion ergibt bewusste Bescheidenheit im Gesamtbild, aber Präzision im Detail. Die Haut des Turms, bestehend aus Holzlamellen aus unbehandelten Brettern, schützt ihn sicher und dauerhaft vor der Witterung. Dennoch ist sie ausgesprochen transparent: Sie verschafft dem Turm Leichtigkeit, man sieht von unten, wer oben ist und vom Turm aus gut in den Wald.›

 

Über 200 Stufen immer mehr erfahren

 

Eine Betonstruktur bildet den Sockel, der das erste Turmsegment trägt und seinerseits auf einer grossen Fundamentplatte steht. Zugang und Sockel sind robust ausgebildet und bieten weder Bodenfeuchte noch Vandalen Angriffsfläche. Jedes der drei Segmente wurde vor Ort vollständig vormontiert, mit Treppe und Fassade. Anschliessend wurden die Segmente von jeweils 15–18 Tonnen sowie das Dachelement aufeinandergestellt.

 

Die Treppenkonstruktion besteht aus verzinktem Stahl, einzig die Trittstufen sind aus Holz. Auf den 200 Treppenstufen bis zur Aussichtsplattform erfahren die Besucherinnen und Besucher Spannendes über die umliegende Natur und den historischen Hintergrund des Turms. Getragen wird die Treppe aus einer Verbindung von senkrechten Zugelementen, die über die Höhe eines Turmsegments gespannt sind. Die Panoramaplattform auf 34,38 m Höhe bietet mit rund 30 m2 Grundfläche bis zu 50 Personen Platz.

 

Eine tiefe Brüstung auf 1,2 m vermittelt dort oben die nötige Sicherheit; gleichzeitig ist der Blick durch die geneigten Holzlamellen nach unten frei. Die Zwischenpodeste und die Aussichtsplattform sind von einem Geländer aus verzinktem Stahl umgeben. Das auskragende Dach liegt auf einer Struktur aus Dreischichtplatten, welche die Form eines Kegelstumpfes ergibt und so die nötige Stabilität schafft.

 


Link www.napoleonturm-hohenrain.ch

 

 


Holzbautabellen HBT1

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