20. 04. 2017 00:00 Alter: 36 Tag(e)

Einfamilienhaus: Auslaufmodell oder solides Investment?

In jüngster Zeit wird vermehrt die Frage gestellt, ob das Einfamilienhaus ausser Mode gekommen sei. Die Analyse von Angebot und Nachfrage auf der Basis der Internet-Inserate von Einfamilienhäusern zeigt das Gegenteil: Im Jahr 2016 wurden auf Schweizer Internetportalen über 30000 Einfamilienhäuser ausgeschrieben, 6% mehr als im Vorjahr.

 

Totgesagte leben länger

Das Einfamilienhaus ist allen Unkenrufen zum Trotz ein Evergreen. Im Bild ein moderner Holzelementbau in Igis.

Bild Nadine Eggenberger, Schöb AG, Gams

 

 

Die durchschnittliche Insertionsdauer eines Einfamilienhauses stieg um sechs Tage auf 104 Insertionstage an. Die Zunahme der Insertionsdauer bei grösserem Angebot lässt auf eine konstante Nachfrage nach Einfamilienhäusern im Vorjahresvergleich schliessen. Dies geht aus der Online Home Market Analyse von homegate.ch in Zusammenarbeit mit dem Swiss Real Estate Institute der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich hervor.

 

In Zürich gehen Objekte rasch weg – im Tessin braucht es Geduld

 

Die deutlich kürzeste Insertionszeit für Einfamilienhäuser wurde in der Region Zürich mit sehr kurzen 56 Tagen registriert. Zum Vergleich: Eigentumswohnungen müssen in der Region Zürich 76 Tage inseriert werden. Ein entspannterer Markt zeigt sich im Süden und Westen der Schweiz: In der Region Waadt/Wallis waren Häuser 113 Tage auf dem Markt, in Genf 120 Tage, und im Tessin betrug die mittlere Insertionsdauer sogar 140 Tage.

 

Die Insertionsdauer von Einfamilienhäusern hat sich in den Regionen der Schweiz 2016 gegenüber dem Vorjahr sehr unterschiedlich entwickelt. Die Extreme haben sich dabei akzentuiert: Mit einem Minus von sieben Tagen wurde im angespannten Markt der Region Zürich die stärkste Verkürzung ermittelt. Die stärkste Zunahme der Insertionsdauer mit einem Plus von 21 Tagen war im ohnehin schon sehr entspannten Markt des Tessins zu beobachten.

 

Aussergewöhnlich lebhafte Entwicklung der Nachfrage in der Ostschweiz

 

Wird zur Veränderung der Insertionszeit noch die Veränderung der Anzahl an Inseraten miteinbezogen, zeigt der Ostschweizer Einfamilienhausmarkt die interessanteste Entwicklung: Trotz einer sehr starken Zunahme des Angebotes um 19% gegenüber dem Vorjahr hat sich die Insertionsdauer nicht verlängert, sondern noch um 5% (4 Tage) verkürzt. Dies lässt auf eine stark wachsende Nachfrage nach Einfamilienhäusern in dieser Region schliessen.

 

Erstaunlich ist auch, dass trotz der bereits sehr langen Insertionszeiten im Tessin im Jahr 2016 31% mehr Einfamilienhäuser angeboten wurden. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass die durchschnittliche Insertionszeit um 18% (21 Tage) angestiegen ist. Durch die kontinuierliche Angebotsausweitung steigt im Tessiner Eigenheimmarkt das Risiko eines Überangebotes und damit die Wahrscheinlichkeit einer nach unten gerichteten Preisanpassung.

 

Genau umgekehrt hat sich die Region Zürich entwickelt. Einfamilienhäuser verkauften sich mit kurzen 63 Insertionstagen schon im Jahr 2015 sehr gut. Trotzdem wurden im Jahr 2016 12% weniger Objekte auf den Internetportalen angeboten. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Insertionszeit um 11% zurückging und nun auf einem rekordtiefen Wert liegt. Aktuell kann von einer ‹Einfamilienhaus-Knappheit› im Kanton Zürich gesprochen werden. Eine Ausweitung der Produktion von Einfamilienhäusern in dieser Region wäre vermutlich sehr willkommen.

 

Erhebliche regionale Unterschiede in den Angebotspreisen

 

Die verlangten Quadratmeterpreise für die Wohnfläche eines Einfamilienhauses sind im Regionenvergleich sehr unterschiedlich: In den Agglomerationen der Region Espace Mittelland wurde ein Quadratmeter Wohnraum in einem Einfamilienhaus im Durchschnitt für CHF 5300.– angeboten, während in den suburbanen Gemeinden der Region Genf rund CHF 10000.– verlangt wurden. Ein typisches 6-Zimmer-Einfamilienhaus mit 180 m2 wurde in den suburbanen Gemeinden der Region Espace für CHF 0,85 Mio. angeboten; in der Region Genf wurde mit CHF 1,6 Mio. fast das Doppelte für das gleiche Haus verlangt.

 

In den Zentren des Espace Mittelland werden Objekte durchschnittlich für CHF 5000.– pro Quadratmeter ausgeschrieben. Die zentralen Gemeinden der Region Genf stellen mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von CHF 10500.– die teuersten Einfamilienhäuser. Trotz dem deutlichen Nachfrageüberhang in der Region Zürich liegen die Preise in den urbanen Zentren mit CHF 8100.– noch deutlich unter der Grenze von CHF 10000.–.

 

Allgemein lässt sich festhalten, dass im Schweizer Einfamilienhausmarkt 2016 mit 92 Tagen deutlich kürzere Insertionszeiten für Objekte mit weniger als 5½ Zimmern und einem Angebotspreis unter CHF 1 Mio. auszumachen sind als für grössere und teurere Einfamilienhäuser (123 Tage). Teurere und grössere Objekte mussten im Schnitt somit mehr als sieben Wochen länger ausgeschrieben werden. In den suburbanen Gemeinden der Schweiz ist die Nachfrage nach solchen Objekten mit durchschnittlich 59 Tagen deutlich unter dem Schweizer Schnitt. Mit lediglich 29 Tagen sind suburbane Gemeinden in den Regionen Genf und Innerschweiz die Spitzenreiter.


Warum sich die Nachfrage nach Einfamilienhäusern hält

 

Prof. Dr. Peter Ilg vom Swiss Real Estate Institute der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich erkennt in einer relativ höheren Attraktivität gegenüber Eigentumswohnungen eine wichtige Ursache für die stabile und teilweise steigende Nachfrage nach Einfamilienhäusern. ‹Als Besitzer eines Einfamilienhauses ist man Alleineigentümer des Objektes. Zudem hat man meist etwas mehr räumliche Distanz zu den Nachbarn. Dies gibt mehr Freiheit und weniger Konflikte.›

 

Ilg sieht jedoch noch einen zweiten Grund: die Renaissance traditioneller Lebensentwürfe. ‹Die Geburtenziffer in der Schweiz steigt seit dem Jahr 2001 kontinuierlich an›, sagt Ilg. ‹Sie ist in den letzten 15 Jahren um über 10% gestiegen. Gleichzeitig zeigt die Anzahl Eheschliessungen in den letzten zehn Jahren eine leicht steigende Tendenz, während die Anzahl Scheidungen deutlich zurückgeht. Das Leben traditioneller Familienmodelle beflügelt naturgemäss die Nachfrage nach Einfamilienhäusern.›

 

Die Entwicklung von Angebot und Nachfrage für Einfamilienhäuser im tiefen und mittleren Preissegment mit bis zu 5½ Zimmern zeige, dass diese insbesondere in suburbanen Gemeinden eine solide Investition darstellten.

 


Link www.homegate.ch

 

 


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