Holz formt die Zukunft

Holz ist gemäss Erkenntnissen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 66 ‹Ressource Holz› geeignet, Erdöl in der Chemie und konventionelle Materialien in der Bauindustrie zu ersetzen. Der Rohstoff aus hiesigen Wäldern könnte jedoch noch viel intensiver genutzt werden, als dies bisher geschieht.

In Holz steckt Ungeahntes
Urs-P. Twellmann: Kunstwerk ‹Fichte, 280-teilig›, Kandersteg, 1998
Bild Urs-P. Twellmann, Münsingen
 

 

Über fünf Jahre hinweg hat das Nationale Forschungsprogramm 66 ‹Ressource Holz› wissenschaftliche Grundlagen und praxisorientierte Lösungsansätze für eine bessere Verfügbarkeit und eine breitere Nutzung der Ressource Holz erarbeitet. In vier Forschungsfeldern wurden 30 interdisziplinäre Projekte zur ökonomisch und ökologisch vorteilhaften Verwertung von Holz verfolgt. Vergangene Woche zogen die Programmverantwortlichen in Bern ein Fazit.

 

Der Holzbau ist schon heute gut unterwegs. Die gewonnenen Erkenntnisse zu Schallschutz, Erdbebensicherheit und Holzverbindungen sowie materialseitige Fortschritte erlauben in Zukunft einen breiteren Einsatz von Holz (auch Laubholz) im Gebäudebereich. Gleichzeitig belegen Lebenszyklusanalysen, dass die breite Verwendung des nachwachsenden Baustoffes ressourcen- und klimapolitisch wünschenswert ist. Die aktuellen Herausforderungen der Bau- und Planungsbranche in Richtung der weiteren Industrialisierung und Digitalisierung sind erkannt und werden berücksichtigt.

 

Innovation als Treiber

 

‹Wer sich mit einem Rohstoff wie Holz befasst, braucht eine ganzheitliche und integrierende Herangehensweise›, erklärte Martin Riediker, Präsident der Leitungsgruppe des NFP 66. ‹So ist es uns gelungen, eine Gesamtsicht zu erlangen und zahlreiche vielversprechende Ansätze zur besseren Nutzung des Potentials von Holz zu identifizieren. Der Innovation kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu.›

 

Ingo Burgert von der ETH Zürich hat es beispielsweise geschafft, in die Zellwände des Holzes ein Polymer einzubringen, das den Werkstoff wasserabweisender und stabiler macht; seine Mitarbeitenden haben das Start-up-Unternehmen Swiss Wood Solutions gegründet, um neue holzbasierte Materialien zu vermarkten.

 

Zu den zentralen Empfehlungen des NFP 66 gehört die Schaffung eines ‹Kompetenzzentrums Bioraffinerie› sowie eines ‹Technikums Holzinnovationen Schweiz›. Gefordert wird auch eine Schweizer Bioökonomiestrategie, in welcher die Ressource Holz ihren gebührenden Platz einnehmen soll.

 

Holz als Erdölersatz

 

Die organische Chemie stützt sich in erster Linie auf Erdöl und Kohle und muss sich auf die Endlichkeit der fossilen Ressourcen einstellen. Pflanzliche Biomasse stellt eine realistische Alternative dar, wie eine Reihe von Projekten des NFP 66 belegt.

 

Verschiedene Teams an den ETHs Zürich und Lausanne sowie an der Fachhochschule Nordwestschweiz haben neue Verfahren entwickelt, um die Hauptbestandteile des Holzes – Zellulose und Lignin – in aromatische Verbindungen und andere wichtige Zwischenprodukte für die chemische Industrie umzuwandeln. Sviatlana Siankevich von der EPFL hat das Start-up-Unternehmen Embion mitgegründet, um die neuen Erkenntnisse zu kommerzialisieren.

 

Ein anderes Beispiel: Michael Studer von der Berner Fachhochschule gelang es, den Fermentationsprozess von Buchenholz zu verbessern und so den handelsüblichen Treibstoff Ethanol herzustellen. In Zusammenarbeit mit einem Industriepartner und einem Holzlieferanten ist der Bau einer ersten Pilotanlage im Kanton Jura im Gespräch.

 

Holz aus Schweizer Wäldern besser nutzen

 

‹Die Nutzung der Wälder ist aus Umweltschutzgründen und Gründen der Biodiversität sinnvoll: So lässt sich CO2 auf Jahrzehnte binden, was den Treibhauseffekt verringert›, so Martin Riediker. Allerdings wird nur rund die Hälfte des jährlichen Zuwachses im Schweizer Wald geerntet, dies in einer stark fragmentierten Waldwirtschaft.

 

‹Unsere Analyse zeigt, dass nicht die Politik gefragt ist, sondern die Marktteilnehmer, insbesondere auf der Käuferseite›, erklärt Martin Riediker. ‹Das Innovations- und Wertschöpfungspotential des Rohstoffs Holz muss besser erkannt und genutzt werden. Industrie, Forschung und Entwicklung sollten unbedingt Hand in Hand arbeiten.›

 


Links www.nfp66.ch | Abschluss-Publikationen