Holzverklebung in die Zukunft denken

Ende September führte die Berner Fachhochschule zum ersten Mal eine Fachtagung zu neuen Perspektiven in der Holzverklebung durch. Die Veranstaltung lockte rund 90 Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum nach Biel.

Bild Berner Fachhhochschule, Biel

 

 

Eine laufend grösser werdende Herausforderung für die Holzbranche ist der Einsatz von Laubholz. Die Statistik der Bayerischen Staatsforsten zeigt auf, dass im Jahr 2015 drei Viertel der Holzbestände Nadelholz und ein Viertel Laubholz waren – das Aussaatverhältnis zum selben Zeitpunkt war jedoch genau umgekehrt. Dieser Trend lässt sich auch in der Schweiz und in weiteren europäischen Ländern beobachten.

 

Durch Laubhölzer ergeben sich im Holzbau neue Möglichkeiten, sie bedingen jedoch auch eine auf Laubholz angepasste Be- und Verarbeitungstechnologie. Peter Niemz von der Berner Fachhochschule zeigte in seinem Referat auf, welche drei Parameter in der Holzverklebung relevant sind. Zum ersten ist es das Holz selber, wobei unter anderem Dichte und Inhaltstoffe eine Rolle spielen, dann der Klebstoff, etwa mit Blick auf chemische Zusammensetzung oder Viskosität, und schliesslich auch die angewendete Technologie, beispielsweise hinsichtlich Pressdruck und Presszeit.

 

Forschungsprojekte zur Verklebung von Laubhölzern

 

An der BFH laufen diverse Forschungsprojekte zur Entwicklung und Optimierung von Klebstoffen für die wichtigen Laubhölzer Buche und Esche. So forscht die BFH etwa in Zusammenarbeit mit der Collano AG im Rahmen eines KTI-Projektes an einer 2K-PUR-Technologie, welche für Nadelhölzer ebenso wie für Laubhölzer geeignet ist. Verschiedene Vergleichtests an Fichte und Buche haben bisher gute Resultate in Bezug auf die Vielzahl an Variationsmöglichkeiten, die Mindestfeuchte des Holzes und die Klebfugenfestigkeit ergeben.

 

Auch wenn durchaus noch viele Fragen offen sind: bei Collano ist man zuversichtlich, dass mit der 2K-PUR-Technologie ein vielseitig einsetzbares Produkt zu entwickeln ist. Auch die Henkel & Cie AG forscht zusammen mit Instituten und Hochschulen an innovativen Klebstoffen, unter anderem auch mit der BFH. Henkel arbeitet mit verschiedenen Holzarten wie Buche, Esche und Lärche sowie mit auf die Verarbeitungsgeschwindigkeiten angepassten 1K-PUR Systemen.

 

Klebstoffe für Möbel- und Fensterproduktion

 

Auch wenn der Holzbau derzeit einen starken Aufschwung erlebt und besonders für Verklebungen von Vollholz und die Herstellung von Bauelementen neue Lösungen gesucht sind, ist man auch in anderen Bereichen der Holzbranche innovativ unterwegs. Timm Schulze vom Traditionsunternehmen Jowat AG gab in seinem Referat einen Überblick der vielfältigen Einsatzgebiete von Klebstoffen in der Möbelindustrie, wo neben technischen auch hohe optische Anforderungen an die Holzprodukte gestellt werden.

 

Insbesondere stellt die Haftung von Schmalflächen an Möbeln mit erhöhter Feuchteexposition – so in Küche und Bad – eine Knacknuss dar. Hierzu hat Jowat eine Prüfreihe zwischen PUR-HM-Verklebungen und der Laserkantentechnologie durchgeführt. Untersucht wurden unter anderem der Schälwiderstand, die Wasserdampfbeständigkeit sowie die Dickenquellung mittels eines Tauchtests. Die Resultate zeigten auf, dass moderne PUR-Schmelzklebstoffe die optischen und technischen Anforderungen der Küchenmöbelindustrie am besten erfüllen.

 

Eine weitere Teilbranche mit grosser Anwendungsvielfalt für die Holzverklebung ist die Fenster- und Fassadenbranche. Die BFH stellte an der Tagung das Forschungsprojekt ‹Holz und Glas im Fensterbau› vor. Der Trend hin zu grossformatigen Fassadenelementen und zum vermehrten Einsatz von Dreifach-Isoliergläsern stellt Fenster- und Fassadenbauer vor neue Aufgaben, insbesondere in bezug auf die thermischen Eigenschaften und die Handhabung eines Glaswechsels nach einem Bruch.

 


Link www.ahb.bfh.ch