Nachhaltig bauen mit Holz aus unseren Wäldern

Gebäude aus Schweizer Holz sind ökologisch vorbildlich und schaffen hohen ökonomischen Nutzen im Inland. Jahr für Jahr wächst genug Rohstoff in unseren Wäldern heran, um auch grosse Projekte zu realisieren. Sie punkten mit konsequenter Nachhaltigkeit.

 

Fast ein Drittel unseres Landes ist mit Wald bedeckt. Zehn Millionen Kubikmeter Holz wachsen Jahr für Jahr darin heran. Aber nur rund die Hälfte davon wird geerntet, obwohl es möglich wäre, etwa acht Millionen Kubikmeter Holz im Inland zu gewinnen, ohne die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung auch nur zu ritzen. Eines der strengsten Waldgesetze der Welt stellt das sicher.

 

Ein wichtiger Grund für die Unternutzung des Schweizer Waldes ist seit Jahren der schwache Euro: Er begünstigt Holzimporte aus dem EU-Raum, womit die Schweizer Produzenten von Holz und Holzprodukten immer wieder das Nachsehen haben, obwohl das Bauen mit Holz hierzulande boomt. Der ‹Frankenschock› hat dazu geführt, dass auf Schweizer Baustellen mittlerweile nur noch etwa 30% hiesiges Holz eingesetzt wird. 70% der verbauten Produkte kommen aus dem Ausland.

 

Das setzt nicht nur die Schweizer Holzverarbeiter unter Druck und gefährdet damit viele Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Es hat am Ende auch Auswirkungen auf unseren Wald: Ein Kriechgang bei Forstbetrieben und Ernteunternehmern schlägt mittelfristig auf die Pflege des Waldes und lässt dessen Stabilität schwinden. Mit der Zeit leiden darunter die vielfältigen Funktionen des Waldes.

 

Brachliegendes Potential im Wald

 

Die Nutzfunktion des Waldes leidet bereits jetzt. Damit kommt ein Material zu kurz, das es von Natur aus in sich hat: unser einheimisches Holz. Die ‹Solarfabrik› Wald lässt es vor unserer Haustür wachsen – allein mit Sonnenlicht, Wasser und Nährsalzen aus dem Boden. Zudem nimmt jeder Baum im Prozess der Photosynthese das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Luft auf, baut mit dem Kohlenstoff daraus Holz auf und gibt uns Sauerstoff zurück.

 

Der aus der Luft gezogene Kohlenstoff bleibt im Baum gebunden – aber auch im geernteten Holz, wenn dieses für langlebige Produkte wie Häuser, Innenausbauten oder Möbel verwendet wird. Derweil wachsen im Wald laufend neue Bäume nach, die wiederum Kohlenstoff aus der Luft binden. Nicht nur Wald hilft darum dem Klima, sondern auch Bauen und Wohnen mit Holz ist aktiver Klimaschutz.

 

Übrigens ist nicht nur die ‹Herstellung› des Baustoffs Holz durch Mutter Natur unschlagbar energiesparend, sondern auch für Ernte und Verarbeitung des Materials wird viel weniger Energie benötigt als für andere Baustoffe. Wird Holz genutzt, das in der Nähe wächst, bleiben auch die Transportwege kurz – das senkt die im Material enthaltene Graue Energie grad noch einmal.

 

Ein ganzes Quartier in Schweizer Holz

 

Martin Schaub weiss, dass nachhaltiges Bauen auf ein solches Material nicht verzichten kann. Der Weinländer Architekt hat im Auftrag der Erbengemeinschaft Robert Schaub-Zürcher/Robert Schaub AG die grosse Wohnsiedlung ‹Auf Bollen› in Andelfingen realisiert. Die autofreie, nur wenige Gehminuten vom Bahnhof enfernte Minergie-Überbauung setzt bei der Materialisierung Massstäbe: Rund 90% des verbauten Holzes stammen aus der Schweiz. Dafür ist die Siedlung mit dem ‹Herkunftszeichen Schweizer Holz› ausgezeichnet worden.

 

Für die 71 Wohneinheiten in Mehr-, Doppel- und Reiheneinfamilienhäusern, die von 2006 bis 2015 in drei Etappen auf 17900 m2 Grundstücksfläche entstanden, verwendete die ortsansässige Robert Schaub AG als Totalunternehmerin praktisch ausschliesslich Holz aus Wäldern der Region Weinland/Winterthur, wodurch die Rundholztransporte sehr kurz ausfielen.

 

Die Mehrfamilienhäuser entstanden in Holzelementbauweise mit Holz-Beton-Verbunddecken oder aber aus einem Betonskelett mit einer Holzelementhülle und Holz-Innenwänden, die Einfamilienhäuser in Holzelementbauweise mit Sichtbalkendecken. Auch die Hausfassaden sind mehrheitlich mit Holz verkleidet.

 

11000 Bäume aus dem Zürcher Weinland

 

Die für den Bau verwendeten 11000 Bäume, zu 99% Fichten und Tannen, wurden im eigenen Unternehmen gesägt, getrocknet, zu Elementen zusammengebaut und kurze Zeit später auf den nur rund hundert Meter entfernten Baustellen montiert, die insgesamt etwa 2600 Kubikmeter Holz benötigten. 42 Unternehmen waren am Projekt beteiligt. Die 25 Firmen aus der Region Weinland kamen auf einen Anteil von etwa 85% der Gesamtbausumme.

 

Nicht nur für das Bauen, sondern auch für das Heizen setzt die Überbauung ‹Auf Bollen› in Andelfingen auf Schweizer Holz. Die ganze Wohnsiedlung wird durch die Heizzentrale der Robert Schaub AG, welche 2013 umgebaut und erneuert wurde, mit Fernwärme versorgt. Diese Wärme produziert die Robert Schaub AG aus dem betriebseigenen Restholz sowie aus Hackschnitzeln aus dem Forst der Gemeinde Andelfingen.

 

In der gesamten Überbauung ‹Auf Bollen› ist soviel CO2 gespeichert, wie 480 Schweizerinnen und Schweizer in einem Jahr produzieren. Oder andersrum: die 230 Bewohner der Überbauung konnten dank dem Einsatz von Schweizer Holz mehr als zwei Jahre CO2-neutral leben. Und der Clou: Das in der Siedlung verbaute Holz wächst im Schweizer Wald in nur rund zwei Stunden wieder nach.

 

Modell mit Zukunft

 

‹Bauen mit Holz ist eine gute Voraussetzung für nachhaltige Gebäude›, erklärt Martin Schaub, der das Projekt ‹Auf Bollen› von den ersten Entwürfen 2002 über 13 Jahre hinweg bis zur Fertigstellung begleitet hat. ‹Konsequenterweise gilt es dabei jedoch auf die Rohstoffherkunft zu achten. Wir sollten angesichts der heutigen Internationalität im Bauwesen nicht vergessen, dass die Verwendung regionaler Materialien in lokalen Wirtschaftskreisläufen Sinn macht und vielfältigen Nutzen stiftet – und das in allen Bereichen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft. Das sollte uns etwas wert sein.›

 

Das Beispiel der Überbauung ‹Auf Bollen› in Andelfingen könnte überall in der Schweiz Schule machen. Den Rohstoff, um energiesparende und klimaschonende Häuser zu bauen, stellen unsere Wälder in Hülle und Fülle bereit. Forstbetriebe, Sägereien, Holzbau- und Schreinereibetriebe stehen in allen Regionen des Landes mit ihren gutausgebildeten Mitarbeitern zur Verfügung, um aus dem Rohstoff Bauten, Innenausbauten und Möbel von hoher Qualität entstehen zu lassen, die Arbeit und Verdienst im Inland bringen.

 

Bauherrschaften können sicher sein: Mit Schweizer Holz ist rundum nachhaltiges Wohnen möglich. Und es ist alles andere als unerschwinglich: Bei einem Einfamilienhaus liegt der Mehraufwand für Holz aus unseren hiesigen Wäldern schätzungsweise bei einem Prozent der gesamten Bausumme. Selbst im Falle der grossen Überbauung ‹Auf Bollen› schätzt Martin Schaub die Mehrkosten auf nur ungefähr ein Prozent. Soviel darf der Mehrwert konsequenter Nachhaltigkeit kosten.

 


Links www.holz-bois-legno.ch | www.schaub-ag.ch