Kräftige Holz-Impulse aus Appenzell

Gegen 300 Teilnehmer lockte der diesjährige ‹Impulstag Holz› mit Generalversammlung des Verbandes Holzbau Schweiz am vergangenen Freitag nach Appenzell. Die Veranstaltung stand unter dem Thema ‹Generationen›.

Das Appenzellerland ist traditionell Holzbauland. Das zeigt der Blick auf die saftiggrünen Hügel bei der gemächlichen Anfahrt mit der rot-orangen Bahn ab Gossau: Kaum eine Anhöhe wird nicht von einem prächtigen Holz-‹Heimet› gekrönt. Doch der Holzbau zeigt in Appenzell auch mit modernen Bauten Flagge – und dies durchaus häufiger als anderswo im Land. Der Kantonshauptort Appenzell zählt zu den holzbaustärksten Gemeinden der letzten Jahre.

 

Lydia Hörler-Koller, Stillstehende Frau Hauptmann und Grossrätin des Bezirks Appenzell, begrüsste die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Anlasses in der Aula des Schulkomplexes Gringel im Innerrhoder Kantonshauptort mit einem herzlichen ‹Sönd willkomm›. Sie bestätigte den spontanen Eindruck zur Bedeutung des Bauens mit Holz im Appenzell: An die 60 Betriebe im Kanton verarbeiten Holz und bilden dabei etwa 70 Lehrlinge aus. Eine sehr hohe Bautätigkeit trage dazu bei, dass das Material im Kanton in Neu- und Umbauten sichtbar werde.

 

Worin sich Generationen unterscheiden

 

Die als Leadership-Trainerin tätige Soziologin Miriam Engelhardt sowie der Betriebswirtschafter Frank Halter von der Universität St. Gallen führten das Publikum in zwei Vorträgen an das Thema des Impulstages heran: die Generationen in Familie und Betrieb, ihre Bedürfnisse und Konfliktpunkte – und an das eigentliche Thema hinter dem Thema des Anlasses, die Unternehmensnachfolge.

 

Engelhardt typisierte in unterhaltsamer Weise die drei heute im Arbeitsleben stehenden Generationen der Babyboomer (ca. Jahrgänge 1945–1960) sowie der Generationen X (1960–1980) und Y (1980–2000 ). Sie unterscheiden sich in ihren kollektiven Erfahrungen und den daraus hervorgehenden Lebenseinstellungen grundlegend. Die überpersönlich angelegten Differenzen je nach Alter spielen auch im betrieblichen Alltag, wie einleitend gezeigte filmische Kurzporträts von Holzbau-Mitarbeitern verschiedenen Alters schlagend aufzeigten.

 

Nicht bloss einen einzigen Weg für die Nachfolge ins Auge fassen

 

Halter wies darauf hin, dass die aus der Generationenzugehörigkeit folgenden Einstellungen und Erwartungen als Teil des Prozesses zu reflektieren sind, der bei der Suche nach einer Nachfolge im Unternehmen abläuft. Er riet dazu, sich für die Unternehmensnachfolge nicht auf die Fortführung der Firma innerhalb der Familie als einzige Variante festzulegen, sondern stets in Szenarien zu denken: etwa eine Übergabe an unternehmerisch fähige Mitarbeiter ins Auge zu fassen oder den Verkauf an einen Externen ernsthaft zu erwägen, wenn sich ein offensichtlich für die Aufgabe prädestinierter Interessent zeigt.

 

Wichtig sei, so Halter, ‹unternehmerischen Spirit› bei den Jungen zu wecken. Dabei helfe der externe Aufbau von Selbständigkeit, vielleicht auch in einem ganz anderen Gebiet als der angestammten familiären Domäne. Ein kurzes Podium mit Vertretern zweier Holzbaubetriebe und zweier Generationen zeigte im Anschluss, dass es durchaus verschiedene Wege für die familieninterne Nachfolge gibt und dass diese wohl am besten gelingt, wenn alles ausgesprochen wird, was den Übergang betrifft, so dass für alle Beteiligten klare Verhältnisse herrschen.

 

Ja zur Energiestrategie 2050 als Meilenstein für die Branche

 

Im Anschluss an den ‹Impulstag› folgte die 111. Generalversammlung von Holzbau Schweiz. Die üblichen statutarischen Geschäfte wurden dabei zügig erledigt. So blieb Raum für übergeordnete Fragestellungen. Zentralpräsident Hans Rupli gab einen Überblick über die wichtigsten strategischen Themen des Verbandsjahres. Dazu zählt zweifellos die Energiestrategie 2050, zu der sich der Souverän in der Abstimmung vom 21. Mai 2017 bekannt hat.

 

Holzbau Schweiz hat sich über mehrere Jahre hinweg für die Vorlage engagiert und dabei auch das finanzielle Engagement nicht gescheut. Schliesslich eröffnen sich für den Holzbau durch die geforderte Verdichtung des gebauten Raums und die energetische Ertüchtigung des Bestandes laufend grösser werdende Geschäftsfelder. Entsprechend gross ist die Befriedigung in der Branche nach dem Volksentscheid. Nach der Weichenstellung auf eidgenössischer Ebene, die für die Wirtschaft Investitionssicherheit geschaffen hat, folgt nun aber noch viel Arbeit auf der gesetzgeberisch massgebenden Ebene der Kantone.

 

Tragfähige Ressourcenpolitik Holz

 

Zufrieden zeigte sich Rupli mit Blick auf die Zusammenarbeit mit dem Bund. Der Aktionsplan Holz des Bundesamtes für Umwelt definiere für die Phase 2017–2020 mit den drei Feldern Optimierte Kaskadennutzung, Klimagerechtes Bauen und Sanieren sowie Kommunikation, Wissenstransfer und Zusammenarbeit die richtigen Schwergewichte. Rupli hielt fest, dass Holzbau Schweiz insbesondere auch hinter der laufenden Kampagne #WOODVETIA für mehr Schweizer Holz stehe, dass es aber mit Kommunikation allein nicht getan sei, wolle man dem hiesigen Holz zu vermehrter Anwendung am Bau verhelfen. Auch die Verfügbarkeit müsse sich erhöhen.

 

Direktorin Gabriela Schlumpf verschaffte den Anwesenden einen Einblick in die verschiedensten Projekte im vergangenen Verbandsjahr. So wurden etwa neue Kurse für Quereinsteiger im Holzbau ins Leben gerufen, ein Modellwettbewerb durchgeführt, Sektionswebseiten neu auf der Seite von Holzbau Schweiz integriert oder erneut ein junger ‹Zimmermann on Tour› auf die Reise geschickt. Als besonderes Highlight erwähnte Schlumpf den Auftritt an der Messe ‹Holz› in Basel mit der Europameisterschaft der Zimmerleute und dem Weltrekord im Zimmermannsklatsch. 

 

Die Ehrung der neuen Holzbau-Meister beschloss die Generalversammlung. Ebenfalls gewürdigt wurden der neue Schweizermeister der Zimmerleute, Remy Forster, und der Vize-Europameister Florian Nock. Nock wird die Schweiz auch an den SwissSkills in Abu Dhabi vertreten.

 


Link www.holzbau-schweiz.ch