#WOODVETIA ehrt Carla Del Ponte

Ex-Jugoslawien, Ruanda, Syrien: Die Orte, wo Carla Del Ponte Gerechtigkeit für die Opfer übelster Kriegsverbrechen gesucht hat, sind die dunkelsten Stellen der jüngeren Geschichte. Mit einer lebensgrossen Figur in Edelkastanie würdigt die Aktion #WOODVETIA die unermüdliche Kämpferin für Menschenrechte. Die Enthüllung der Statue von Carla Del Ponte fand gestern Donnerstag in Luzern statt. Die Geehrte war mit vor Ort.

Die Tessiner Juristin mit Jahrgang 1947 machte sich in den achtziger Jahren als Staatsanwältin ihres Herkunftskantons mit ihrer harten Hand gegen Wirtschaftskriminalität, Drogen- und Waffenhandel einen Namen. Kaum hatte sie den Job in Lugano übernommen, bekam sie Besuch vom Palermitaner Untersuchungsrichter Giovanni Falcone, der ein Rechtshilfegesuch überbrachte. In ihm fand sie einen festen Weggefährten im Kampf gegen das Gestrüpp mafiöser Machenschaften, das nicht nur Falcones Heimat Sizilien erstickte, sondern auch über Grenzen hinweg wucherte.

 

Dass sie sich damit in dauernde Lebensgefahr brachte, nahm Carla Del Ponte in Kauf. Sie habe von Falcone viel gelernt, sagte Del Ponte 2015 in einem Interview, das der Zürcher ‹Tages-Anzeiger› mit ihr führte. Als die Mafia Falcone 1992 auf brachiale Weise aus dem Weg räumte, indem sie seinen Wagen auf der Autobahn mitsamt der Fahrbahn in die Luft jagte, habe sie einen Moment lang daran gedacht aufzuhören, fügte sie hinzu. Doch dann habe sie sich entschlossen weiterzumachen – um Gerechtigkeit für die Leidtragenden all der Taten zu suchen, die sie verfolgte.

 

Suche nach Gerechtigkeit als Berufung

 

Das scheint Del Pontes innerster Antrieb: Gerechtigkeit schaffen für die Opfer, die sie sonst nie erhalten würden. Und dafür die Täter zu stellen, die sich im Zirkel ihrer Macht zu jedem Unrecht befugt fühlen. Von 1994 bis 1999 war Carla Del Ponte Schweizer Bundesanwältin; ab 1999 bis 2007 wirkte sie als Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag und sorgte dafür, dass es den Verantwortlichen für das Morden in Ex-Jugoslawien und in Ruanda an den Kragen ging. 2008 bis 2011 folgten Jahre als Botschafterin der Schweiz in Argentinien, und ab 2012 gehörte Del Ponte der Kommission der Vereinten Nationen an, welche die unvorstellbaren Menschenrechtsverletzungen im Schlachthaus Syrien untersucht.

 

Mittlerweile hat sie jedoch entschieden, sich aus der Syrien-Kommission zurückzuziehen. Sie habe resigniert, sagt Del Ponte, denn politischen Willen zur Unterstützung der Kommission gebe es keinen, obwohl die Verbrechen in Syrien beispiellos seien. Solange der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kein Sondertribunal einrichte oder den Internationalen Strafgerichtshof mit der Untersuchung der in Syrien verübten Verbrechen beauftrage, seien die Berichte der Kommission schlicht sinnlos.

 

Ebenbild in Edelkastanie

 

Die #WOODVETIA-Figur von Carla Del Ponte ist aus einer typischen Holzart der Südschweiz entstanden, der Edelkastanie. Deren Holz ist hart und sehr dauerhaft – Eigenschaften, die bestens zur Persönlichkeit der Geehrten passen. Der Baum mag es warm und gedeiht in der Schweiz fast ausschliesslich auf der Alpensüdseite. Nördlich der Alpen brauchen die Marronibäume ein mildes See- oder Föhnklima. Verhältnisse, die ihnen behagen, finden sie im Unterwallis und am Genfersee, am Walensee sowie am Zuger- und Vierwaldstättersee vor.

 

Hier gab es früher wie in der Südschweiz Selven – Haine mit weit auseinanderstehenden Fruchtbäumen auf Weideland. Die Haine wurden aber nach dem Zweiten Weltkrieg immer weniger gepflegt und laufend kleiner, denn die Esskastanie war nach dem Krieg als Lebensmittel nicht mehr gross gefragt. Erst seit der Jahrtausendwende finden die Selven wieder Interesse als alte Kulturlandschaft. Anlässe wie die herbstliche ‹Chestene-Chilbi› in Greppen am Vierwaldstättersee erinnern an die einstige Bedeutung des Tessiner ‹Brotbaums› auch diesseits der Alpen.

 

Schalk im Schatten Syriens

 

Gefertigt hat die Figur Del Pontes einmal mehr der Zürcher Künstler Inigo Gheyselinck – als mittlerweile 17. Werk für #WOODVETIA. Die Geehrte war zur Lancierung der Figur persönlich anwesend und zeigte sich in ihrer Ansprache humorvoll.

 

Sie habe Freude an ihrer Figur, meinte Del Ponte, auch wenn ihr Konterfei vielleicht etwas gar streng wirke. Auch mit dem Kastanienholz als Tessiner Markenzeichen habe sie sich zu Beginn nicht recht anfreunden können. Aber wenn sie jetzt auch ein bisschen mäkle: Sie habe Spass daran, dass sie mit ihrem Engagement etwas für Schweizer Holz tun könne.

 

Am Ende mischte sich nach den launigen Anmerkungen dann aber doch wieder ein dunklerer Ton in Del Pontes Ansprache, als sie an die Situation im kriegsversehrten Syrien erinnerte. Menschenrechte hätten es dort schwer, sagte Del Ponte. Sie hoffe, dass junge Menschen dafür weiterkämpften: ‹Man muss immer, immer kämpfen.›

 


Link www.woodvetia.ch